„Wenn Remote Scanning gut integriert ist, profitieren alle Beteiligten“

Verena Bohn ist Teamleiterin der Remote Experts bei RADiness. Als erste MTR eines Remote-Scanning Teams arbeitet sie seit vier Jahren Vollzeit aus dem Homeoffice und betreut mit ihrem mittlerweile 8-köpfigen Team 37 MRT-Systeme in Deutschland.

Frau Bohn, wie sind Sie zur virtuellen MRT-Steuerung gekommen?

Ich habe viele Jahre in Praxen und Kliniken als MTR gearbeitet und begann als leitende MTR in einer großen Praxis im Frankfurter Raum, die Remote-Scanning-Dienstleistung mit aufzubauen. 2022 bin ich in das Remote Scanning bei Curagita beziehungsweise seit 2024 bei der RADiness GmbH eingestiegen. Das Arbeitsmodell hat sich für mich Schritt für Schritt erschlossen und ist heute mein Vollzeitjob.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Einen klassischen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht. Wir arbeiten als Team komplett aus dem Homeoffice und decken Zeitfenster zwischen etwa 5:30 Uhr und 22:00 Uhr sowie Samstage ab – entweder in ganzen Schichten oder stundenweise. Die Planung ist hochflexibel, oft ändern sich Einsätze kurzfristig morgens für den Tag, weil die Praxen selbst nur sehr kurzfristig ihre Schichten planen können und Ausfälle handeln müssen. Das erfordert ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit, gehört aber zum Konzept dazu.

Welche Leistungen bieten Sie konkret an?

Wir decken im Grunde das gesamte Spektrum an MRT-Untersuchungen ab – herstellerunabhängig. Wir werden entweder fest für Zeitfenster gebucht oder gehen als Notfall-Backup in die Schicht, wenn MTR kurzfristig ausfallen. Dazu kommen noch Einarbeitungen für Praxispersonal am MRT. Es ist ein sehr bunter, komplexer Mix – genau das macht den Reiz, aber auch die Herausforderung aus.

Funktioniert die Zusammenarbeit mit den Teams vor Ort gut?

Das hängt stark von der jeweiligen Praxis ab. Dort, wo Remote Scanning wirklich gelebt wird, macht die Zusammenarbeit großen Spaß. Man fühlt sich als Teil des Teams. Gleichzeitig gibt es noch viel Überzeugungsarbeit und wir müssen Widerstände auflösen.

Welche Vorbehalte begegnen Ihnen denn konkret?

Häufig geht es um Ängste: „Nehmt ihr uns die Arbeit weg?“ oder „Warum darf jemand von zu Hause scannen, während ich vor Ort andere Aufgaben übernehmen muss?“ Manche sehen Remote Scanning als ungleich verteilt an oder lehnen es grundsätzlich ab, weil sie sagen: Der Job gehört direkt an den Patienten.

Hat sich diese Haltung in den letzten Jahren etwas verändert?

Ehrlich gesagt: kaum. Auf Managementebene ist das Verständnis oft da, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Aber auf Teamebene fehlt häufig die Vorbereitung. Gleichzeitig sehen wir: Praxen, die Remote Scanning einmal etabliert haben, bleiben dabei und berichten von echten Erfolgsgeschichten.

Wie ist Ihr eigener Blick auf diese ­Entwicklung?

Ich kann beide Seiten verstehen. Remote Scanning ist ein großer Umbruch. Aber der Fachkräftemangel wird uns weiter begleiten, und MRT erfordert Erfahrung. Deshalb bin ich überzeugt, dass sich das Modell weiter ausbreiten wird – auch als attraktives Angebot für Mitarbeitende, etwa in Form von Rotationsmodellen, wo man fachlich glänzen kann oder die Möglichkeit erhält, selbst auch einmal aus dem Homeoffice remoten zu können. In den USA ist das längst etabliert.

Wie erleben Sie den Team-Spirit in Ihrem eigenen Unternehmen?

Wir sind ein kleineres Team aus Vollzeit-MTR plus Unterstützung durch Minijobber. Der Austausch ist intensiv – wir sind täglich über Messenger oder Teams verbunden. Was ich aber besonders schätze, ist die Unterstützung durch den Arbeitgeber. Ich habe selten so viel Anerkennung erlebt. Es wird viel gefordert, aber auch viel zurückgegeben.

Für wen ist ein Remote-Scanning-Job geeignet?

Man muss sich darauf einlassen können, nicht zu wissen, wie der nächste Tag aussieht. Das ist gewöhnungsbedürftig und ein anderer Stress als in der Praxis. Auch muss man bereit sein, zwei bis drei Geräte gleichzeitig zu bedienen. Für manche Kolleginnen und Kollegen ist das nichts. Auch das private Umfeld muss das mittragen. Ich schätze die Flexibität sehr, auch wenn sie ihren Preis hat. Meine Arbeit gibt meinen Tagesrhythmus vor – ich gehe zum Beispiel oft mittags reiten und arbeite dafür abends spät. Diese Flexibilität möchte ich nicht mehr missen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Mehr Offenheit und bessere Kommunikation in den Praxisteams. Remoten ist kein Ersatz und verdrängt auch niemanden. Wenn es gut integriert wird, profitieren davon alle Beteiligten. Vielen Dank für das gute Gespräch.