Prostata Expertenaustausch
Unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Henzler und PD Dr. Matthias Röthke fand am Vortag des 11. Radiologentags ein Expertenaustausch zur Prostatadiagnostik statt.
Professor Henzler hat mit der Uroradiologie eine Spezialisierung, die er insbesondere an einem der Münchener Praxisstandorte von Conradia, an der urologischen Klinik Planegg, intensiv betreibt. Dr. Röthke ist im Vorstand der AG Uroradiologie in der Deutschen Röntgengesellschaft und war Mitinitiator der Q-Zertifizierungen. Diese sind nach seiner Überzeugung ein künftiger Qualifikationsnachweis für Radiologen in diesem Gebiet und dienen in verschiedenen potenziellen Zukunftsmodellen (Versorgungsverträgen mit Kassen, Screening), aber auch in der Kommunikation gegenüber urologischen Fachärzten und Patienten zur Profilierung. Daher unterstützen beide Ärzte die Netzmitglieder, die sich ehemals im Rahmen des Verbundprojekts RaDiagnostiX-Prostata- auf die Prostatadiagnostik eingelassen haben, aber auch andere, die sich dem Thema aufgrund seiner Aktualität und zunehmender Nachfrage intensiver zuwenden wollen.
Beim inhaltlichen Update ging es um die Neuerungen der 2019 erschienenen PIRADS V2.1-Version im Vergleich zur 2.0-Version. Die Änderungen wurden vorgestellt und diskutiert. Der Vorschlag seitens der Teilnehmer, diese Änderungen anhand praktischer Beispiele zu erlernen, wurde für den Apriltermin (siehe unten im Beitrag) vorgemerkt. Weiterhin wurden die S3-Leitlinien und die Rolle der mpMRT der Prostata in den S3-Leitlinien diskutiert. Die S3-Leitlinien aus Deutschland liegen hinter den europäischen Leitlinien zurück. In diesen ist die Rolle der Prostata-MRT deutlich stärker. Mit einer Aktualisierung der deutschen S3-Leitlinien ist nach Einschätzung der Referenten allerdings nicht vor 2021 zu rechnen. Kurz konnten auch die relevantesten Studien zur Rolle der mpMRT (PROMIS, PRECISION) und ihre wichtigsten Ergebnisse vorgestellt werden. Diese können als faktenbasierte Argumentationshilfe gegenüber Patienten herangezogen werden
Last but not least wurde über den Stand der Vergütung diskutiert. Hier wurde insbesondere darauf eingegangen, ob es rechtswidrig ist, mpMRT oder Teile dieser Untersuchung als Becken-MRT abzurechnen. Insbesondere in Regionen mit Überversorgung gibt es solche Tendenzen in radiologischen Praxen sowie in an dieser Klientel interessierten Krankenhäusern. Einige der Anwesenden machten sich für eine aufklärende Kommunikation gegenüber Patienten stark und vertraten die Meinung, dass sie inzwischen die mpMRT insbesondere für Männer im Rahmen der Nachsorge, über lokale Grenzen hinweg sehr gut etablieren konnten und dabei der Preis eine untergeordnete Rolle spielt.
Beschlossen wurde, dass sich auch künftig im Radiologienetz die radiologischen Experten zur Prostatadiagnostik austauschen. Weiterhin wird mit einer Fortbildung am 25. April 2020 in Heidelberg dazu beigetragen, dass Netzmitglieder eine Chance haben, noch fehlende CME-Punkte zu erwerben und Fälle nachzuholen, um die Q1/Q2-Zertifizierungen der DRG einfach beantragen zu können. Einfach heißt, ohne Nachweis von Bildern und Prüfaufwand, sondern nur mittels eines Formulars und einer Auflistung der bereits befundeten Fälle. Das geht bis Ende Juli 2020. Anschließend ist das Procedere der Zertifizierung erheblich aufwendiger.
Unklar blieb, ob die in fünf Jahren aufgebaute Bild-Datenbank künftig einer Verwendung zugeführt werden kann. Der Umbau in ein Lehr-/bzw. Lernmittel wäre zeit- und kostenintensiv und laut Dr. Röthke unnötig, weil es inzwischen gute Alternativen relativ günstig zum Kauf gäbe. Als Beispiel für Prostata-Lehrprogramme nannte er Pantavision (www.pantavision.com/teaching-tool-prostate-mri oder auch www.lehmanns.de/page/pantavision).
Die beiden Referenten boten den Prostata-Diagnostikern im Netz auch unterjährig Kontaktaufnahme zur Inanspruchnahme ihrer Expertise an, beispielsweise zur Zweitbefundung mittels Bilddatenträgern. Der Kontakt, falls er nicht bereits besteht, kann dabei über das Netzmanagement (netzmanagement@curagita.com) erfolgen. Der nächste Austausch in dieser Form findet voraussichtlich wieder im Rahmen des Radiologentags (Save the date 14. November 2020) statt.
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Ihre Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thomas Henzler
Conradia München
PD Dr. Matthias Röthke
Conradia Hamburg



