Junge Radiologen diskutieren ihren Einstieg in die Niederlassung

Was macht heute den Reiz der Freiberuflichkeit aus? Werden Erwartungen erfüllt? Wie ist die Stimmung in der Nachfolger-Generation? Diese und weitere Fragen stellte Netzmanagerin Eva Jugel auf dem Radiologienetz-Tag drei jungen Praxisgesellschaftern aus verschiedenen Netzpraxen. Die Zuhörer lernten deren Beweggründe kennen, sich für die niedergelassene Radiologie entschieden zu haben.

Die Podiumsgäste waren Dr. Maximilian Nunninger aus der Radiologie Weinheim und Heppenheim, PD Dr. Till Schneider aus dem Radiologischen Zentrum Wiesloch und Sinsheim und Dr. Hellmut Schürholz aus der Radiologie & Nuklearmedizin Backnang.

Dr. Nunninger hatte sich nach Tätigkeiten in der Klinik bewusst für einen Wechsel in die niedergelassene Praxis entschieden. Unbewegliche, inneffiziente Prozesse waren ihm Motivation genug zu wechseln und damit mehr Freiheiten zur Gestaltung von Abläufen wahrzunehmen. Mit drei Partnern, zehn Ärzten und einem breiten Spektrum an Untersuchungen verwirklicht er dies in der Radiologie Weinheim und Heppenheim.

PD Dr. Schneider vom Radiologischen Zentrum Wiesloch und Sinsheim sprach sein individuelles Naturell und seinen Drang an, sich einerseits fachlich, andererseits auch strukturell freier in der Praxis entwickeln zu können als im Klinikbetrieb. Mit einem Augenzwinkern berichtete er, dass er sein ursprüngliches Vorhaben, sich im Umfeld der Universitätsklinik „auf das Altenteil vorzubereiten“ gegen die Gestaltungsfreiheit in der niedergelassenen Radiologie als Nachfolger seines Vaters eingetauscht hat – und bislang nichts zu bereuen habe. Dass mit diesem Schritt auch Verantwortung einhergeht, die Praxis samt Mitarbeiterschaft richtig zu managen, wurde schnell deutlich. Auf die Frage, ob so etwas wie ein Praxis-Schock oder eine Ernüchterung nach dem Wechsel eingetreten sei, berichtete Dr. Schneider beispielhaft von aus dem Klinikbetrieb unbekannten Herausforderungen wie Gehaltsverhandlungen, welche ohne Schonfrist auf den Neueinsteiger zukommen. In der Klinik sei das durch Tarifstrukturen und andere Zuständigkeiten nie Thema gewesen. Ein Gesellschafterwechsel in der Praxis könne hierfür jedoch idealer Anlass sein.

Dr. Schürholz ergänzte hierzu, dass ihn Ernüchterung traf, sowohl jede wichtige als auch jede banale Entscheidung einfach treffen zu müssen. Und dies als Management-Neuling in einer Praxis mit zwei jungen Gesellschaftern ohne die Erfahrung von Seniorpartnern. Beratung und Austausch mit „alten Hasen“ hätte er sich daher manches Mal gewünscht, beispielsweise bei der Handhabe des Abrechnungssystems. „In einer Zweier-Praxis kann man auch aus Kapazitätsgründen manche Räder nur bedingt drehen.“ konstatierte er.

Dr. Nunninger thematisierte die Verantwortung des Praxisinhabers, die sich doch erheblich vom Krankenhaus-Angestellten unterscheiden würde. In Urlaubszeiten und bei Krankheit der Kolleginnen und Kollegen müsse man Eigeninteressen manches Mal zurückstellen.

Wie sie denn künftig jemand Neuen für das Gesellschafterteam aussuchen würden, fragte Moderatorin Eva Jugel. Ob jung oder alt, diese Frage beschäftigt jeden Praxispartner, sobald Änderungen anstehen. Für Dr. Schneider muss die Arbeitsethik im Ärzte-Team passen: „jemanden reinholen, der auch mal durchzieht“, damit es funktioniert. Es komme aber auf den Typus an, je nachdem, ob man jemanden für Spezialuntersuchungen wie Prostata oder Mammographie benötige – dann sei es eher eine Kompetenzentscheidung – oder einen Allrounder suche, dann fiele seine Entscheidung pro belastungserprobten Radiologen, die sich fachlich noch weiterentwickeln ließen. Wobei sich alle drei Radiologen einig waren, dass das zwischenmenschliche Miteinander erfolgskritisch dafür ist, damit eine langfristige, vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Praxis gegeben ist. Um das herauszufinden, lohne es sich für beide Seiten (Einsteiger und Praxispartner), dass potentielle Kandidatinnen und Kandidaten erst einmal für ein Jahr oder zwei in Anstellung arbeiten: drum prüfe wer sich ewig bindet.

Soweit die Retrospektive. Und wie optimistisch sehen die jungen Radiologen in die Zukunft? Curagita Vorstand Dr. Michael Kreft meldete seine Frage aus dem Plenum etwas provokanter an: „Wie lange halten Sie noch durch?“ Hier folgten insgesamt gelassene Antworten. Dr. Schneider sieht Radiologen als zentrale Profiteure von KI im Gesundheitswesen und sieht Chancen auch im Präventions-/ iGeL-Bereich. Dr. Nunninger pflichtete ihm bei, er sei auch nicht sonderlich ängstlich, Radiologie sei immer relevant und Deutschland könne sich Kleinsparen bis zum Verschwinden einfach nicht leisten. Den Erfolg der niedergelassenen Praxis machte er an der Manager-Kompetenz fest. Dr. Schürholz sieht sich als niedergelassener Radiologe in einer Baden-Württembergischen Kleinstadt immer noch in einer komfortablen Situation. Man müsse schon grob fahrlässig agieren, um eine Praxis gegen die Wand zu fahren, so sein Statement. Man könne insbesondere durch eine gute Orientierung an den Bedürfnissen der zuweisenden Ärzte die Praxis gut führen.

Daher war die Antwort auf die letzte Frage nicht überraschend: „Und haben Sie es bereut, in die Praxis einzusteigen?“ so die Moderatorin. Ein klares ‚Nein‘ dazu von allen drei Radiologen: „Ich würd’s wieder machen, der Anfang war aber schwer“, „Das war die beste Entscheidung, die man mit 35 treffen kann“ und „Ich kann mein eigener Chef sein und Dinge so implementieren, wie ich sie für richtig halte“. So viel Enthusiasmus der Jungen stimmt uns positiv für die Zukunft und hat am Radiologienetz-Tag die richtigen Signale an alle anwesenden Vertreter und Vertreterinnen der Netzpraxen ausgesendet.

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