Hardware-Preisexplosion 2026: Sind Refurbished-Systeme eine Alternative

Viele radiologische Praxen und MVZ stehen aktuell vor einer schwierigen Situation: Notwendige Investitionen in die IT-Infrastruktur sind deutlich teurer geworden und ein Ende der Preissteigerungen ist noch nicht in Sicht. Besonders betroffen sind Server-Systeme, die für RIS, PACS und andere zentrale Anwendungen benötigt werden.

Nach aktuellen Marktbeobachtungen haben sich die Kosten für neue Server in vielen Fällen innerhalb weniger Monate nahezu verdoppelt. Systeme, die Anfang des Jahres noch für rund 30.000 Euro erhältlich waren, liegen inzwischen häufig bei etwa 60.000 Euro. Dieselbe Verdoppelung gilt auch für größere Systeme.

Für Praxen, die ihre Infrastruktur im Zuge von KBV-Anforderungen oder der Vorbereitung auf NIS-2 modernisieren müssen, kann dies erhebliche Auswirkungen auf die Investitionsplanung haben.

Warum die Preise steigen

Die Ursachen liegen vor allem in den weltweiten Veränderungen des Hardwaremarktes. Der anhaltende Boom rund um Künstliche Intelligenz führt dazu, dass viele Hersteller ihre Produktionskapazitäten verstärkt auf KI-Hardware konzentrieren.

Gleichzeitig stehen für klassische Serverkomponenten wie DDR5-ECC-Arbeitsspeicher und Enterprise-SSDs deutlich geringere Produktionskapazitäten zur Verfügung. Die Folge sind stark gestiegene Einkaufspreise. Nach aktuellen Marktdaten haben sich die Preise für Speicherkomponenten gegenüber den Vorquartalen teilweise um 50 bis 60 Prozent erhöht.

Hinzu kommt, dass große internationale Technologieunternehmen bereits erhebliche Produktionskapazitäten für das laufende Jahr gebunden haben. Eine kurzfristige Entspannung der Marktsituation ist daher derzeit nicht erkennbar.

Radiologie besonders betroffen

Während Unternehmen in anderen Branchen Investitionen unter Umständen verschieben können, ist dies bei radiologischen Praxen häufig nur eingeschränkt möglich. RIS-, PACS- und Archivsysteme bilden das Rückgrat des täglichen Betriebs und müssen dauerhaft leistungsfähig, sicher und aktuell gehalten werden.

Gleichzeitig stehen viele Einrichtungen vor der Herausforderung, ihre IT-Landschaft an aktuelle Sicherheits- und Compliance-Anforderungen anzupassen. Wer ohnehin eine Modernisierung plant, wird die gestiegenen Hardwarepreise daher unmittelbar in der Budgetplanung spüren.

Eine wirtschaftliche Alternative: Refurbished-Hardware

Vor diesem Hintergrund kann es sinnvoll sein, bei anstehenden Investitionen nicht ausschließlich fabrikneue Systeme zu betrachten.

Zertifizierte Refurbished-Hardware – beispielsweise junge Leasingrückläufer aus dem Enterprise-Bereich – kann eine wirtschaftlich attraktive Alternative darstellen. Dabei handelt es sich nicht um veraltete Systeme, sondern um professionell aufbereitete Server, die weiterhin für den produktiven Einsatz geeignet sind. Entscheidend ist allerdings, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten:

Damit Refurbished-Systeme langfristig betrieben werden können und die technischen Anforderungen erfüllen, sollten folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Die Hardware sollte nicht älter als drei Jahre sein.
  • Der Hersteller muss das System weiterhin mit Firmware- und BIOS-Sicherheitsupdates versorgen.
  • Prozessoren und Mainboards sollten offiziell für Windows Server 2022 beziehungsweise Windows Server 2025 geeignet sein.
  • Es sollten ausschließlich Enterprise-Komponenten wie professionelle RAID-Controller eingesetzt werden.
  • Der Bezug sollte idealerweise über spezialisierte Anbieter erfolgen, die entsprechende Garantien und Serviceleistungen bereitstellen.


Sollten Sie fachliche Unterstützung wünschen, melden Sie sich bitte bei Jean-Marc Lempp.