Gefordert: Korrektur der Destatis-Kostenstrukturstatistik in der Radiologie
Statistik, insbesondere öffentliche Statistiken aus dem Deutschen Statistischen Bundesamt beeinflussen politische Diskussionen erheblich. Radiologen schneiden dort regelmäßig als Spitzenverdiener ab mit erheblichen Folgen für die öffentliche Debatte und die Verteilungskämpfe, aktuell im Rahmen der EBM- und GOÄ-Reformen. Im Thesenpapier werden die zentralen Schwächen der Statistik beleuchtet mit dem Ziel der Versachlichung der Diskussion.
Radiologienetz Deutschland setzt sich seit längerem mit der Honorarentwicklung in der ambulanten Radiologie intensiv auseinander. Mehrfach wurde auch direkt Kontakt zum Deutschen Statistischen Bundesamt (Destatis) hergestellt und die Korrektur unrealistischer Grundannahmen zur Honorarberechnung gefordert, was zumindest teilweise durch die Aufnahme von Fußnoten in den Bericht Niederschlag gefunden hat. Nun haben federführend Dr. Johannes Schmidt-Tophoff und der KV-/Honorarexperte aus dem Curagita-Team, Carsten Krüger, ein Thesenpapier als Medium zur gemeinsamen Aufforderung an Destatis ausgearbeitet, um die Grundlage für eine Korrektur der Kostenstrukturstatistik (KSS) in der Radiologie zu erreichen.
„Die Statistik beeinflusst die mediale Darstellung und die Diskussionen erheblich. Wenn Radiologen in der öffentlichen Wahrnehmung als besonders hohe Verdiener gelten, wird jede Forderung nach angemessener Vergütung oder Investitionssicherheit sofort kritisch gesehen. Das betrifft beispielsweise Diskussionen um EBM-Reformen oder um technische Leistungen. Gleichzeitig entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, die Radiologie sei wirtschaftlich völlig sorgenfrei. Das entspricht aus unserer Sicht nicht der Realität in vielen Praxen.“ begründet Johannes Schmidt-Tophoff den Vorstoß und ergänzt: „Der Kostenstrukturstatistik wird offiziell die Aufgabe zugeschrieben, eine Datengrundlage für die Aktualisierung des EBM zu liefern. Gerade nach der Empfehlung der Finanzkommission zur Abstaffelung technischer Leistungen im ohnehin schon defizitären Radiologie-EBM haben Radiologen ein großes Interesse daran, dass dafür eine sachlich korrekte und belastbare Datengrundlage herangezogen wird.“
Im Thesenpapier tragen die Autoren in fünf Abschnitten ihre Argumente detailliert vor, beginnend mit einer ausführlichen Erläuterung, weshalb der Radiologie-Reinertrag in der KSS falsch ist und somit falsche Entscheidungen provoziert. Danach werden zwei gravierende systematische Fehler in der KSS aufgezeigt: erstens die fehlende Berücksichtigung von Eigenkapitalkosten der Radiologen und zweitens eine zu stark rückwärtsgewandte Statistik, welche die aktuellen Einflüsse auf die Radiologie nicht widerspiegelt.
Nachdem diese Missstände benannt sind, gehen die Autoren daran, die Effekte falscher Annahmen auf der quantitativen Ebene in konkreten Simulationen zu beleuchten mitsamt aller daraus resultierenden Honorareinbußen. Aus der musterhaften Berechnung einer durchschnittlichen radiologischen Praxis benennen die Autoren im vierten Kapitel konkrete Vorschläge zur Korrektur der KSS. „Man könnte beispielsweise deutlicher auf die besonderen Investitions- und Finanzierungskosten kapitalintensiver Fächer hinweisen.“ schlagen sie vor.
Mit sechs ausformulierten möglichen Einwänden und wie man diesen in einer Diskussion als Radiologe oder Radiologin begegnen kann, beschäftigt sich das fünfte und letzte Kapitel des Papiers.
Mit dem vorliegenden Thesenpapier sollen radiologische Verbände eine fachlich fundierte Wissensbasis erhalten, um Destatis gemeinschaftlich zur Korrektur der Kostenstrukturstatistik in der Radiologie aufzufordern. Nutzen auch Sie Ihre Stimme und setzen Sie sich für ein gerechtes Honorar in Ihrer Fachgruppe oder vor Ort bei Ihrem Landtagsabgeordneten ein. Das Thesenpapier können Sie unter diesem Link als PDF herunterladen.
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