Für alle Fälle – Remote Scanning im Alltag
Das Arbeiten mit dem Remote Scanning-Ansatz ist in der Radiologie angekommen. Was vor wenigen Jahren noch als ergänzendes Modell diskutiert wurde, fasst zunehmend Fuß im Regelbetrieb – als konkrete Antwort auf personelle Engpässe und den steigenden Versorgungsdruck. In welchen Situationen bringt Remote Scanning also echten Mehrwert?
Akuter Engpass am Morgen – der Notfallplan greift
Die Situation ist vielen Praxen vertraut: Der Tag beginnt, doch eine erfahrene MTR fällt kurzfristig aus. Termine sind vergeben, Patient/innen eingeplant – ein Ausfall hätte unmittelbare Folgen für Ablauf, Auslastung und Versorgung.
Um 6.45 Uhr klingelt das Telefon beim RADiness Remote Team, Unterstützung wird angefordert, um 7.00 Uhr greift der Backup-Plan und RADiness übernimmt die Scans am MRT aus der Ferne. „Bisher haben wir immer unterstützen können“, berichtet Martin Methlow von RADiness. „Das geht natürlich nur, wenn das Szenario vorab vereinbart und durch Schulungen und Einweisung erprobt wurde.“ In Minuten wie diesen ist die Vorarbeit einfach Gold wert. Vor Ort wird ein Patientenmanager zur Lagerung eingeteilt und koordiniert sich mit der remote zugeschalteten MTR. Die erste Untersuchung startet planmäßig, das MRT läuft.
Diese Methodik wird für viele Praxen zum Game Changer: Bei Personalausfällen entsteht eine belastbare Backup-Struktur, die im Ernstfall sofort greift und für ein breites Untersuchungsspektrum gilt. Der entscheidende Punkt ist dabei weniger die Technik als der arbeitsteilige Prozess.
Einarbeitung: vom kalten Start zum Co-Pilot-Modell
Ein zweites typisches Szenario betrifft die Einarbeitung neuer MTR für Untersuchungen am MRT. In der Praxis ist dafür oft wenig Zeit. Nach kurzer Einführung müssen neue Kräfte schnell eigenständig arbeiten. Komplexe Untersuchungen werden meist von erfahrenen Kolleg/innen übernommen – Lernchancen gehen verloren; bei Krankheit kann nicht jede/r aus dem Team einspringen.
Hier setzt Remote Scanning als punktuelle Unterstützung im Alltag an. Anstatt Personal bspw. für ein wenig standardisiertes MRT wie z. B. Herz auszutauschen, bleibt der/die MTR am Gerät, während sich ein/e Remote-MTR als „Co-Pilot“ zuschaltet. Diese/r übernimmt die Steuerung oder begleitet die Untersuchung und erklärt Abläufe in Echtzeit.
Das Ergebnis:
• Komplexe Untersuchungen können durchgeführt werden.
• Es erfolgt eine kontinuierliche Qualifizierung.
• Die Sicherheit im Umgang mit dem Gerät wächst deutlich schneller.
Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass sich die Einarbeitungszeit auf diese Weise spürbar verkürzen lässt. Lernen wird kontinuierlich und direkt in den Arbeitsalltag integriert. Die Remote-Unterstützung lässt sich laut Martin Methlow gezielt für bestimmte Zeitfenster oder Untersuchungstypen einsetzen. Damit entsteht ein flexibles Kooperationsmodell, beispielsweise mit dem Team von RADiness, das sich an den tatsächlichen Bedarf der Praxis anpasst. Beide Fälle zeigen, dass Remote Scanning als Ergänzung bestehender Strukturen verstanden werden sollte. Es geht nicht darum, Personal vor Ort zu ersetzen, sondern Aufgaben neu zu verteilen und Prozesse klarer zu strukturieren. Voraussetzung dafür sind standardisierte Abläufe, definierte Rollen und stabile technische Rahmenbedingungen. Dort, wo diese Grundlagen geschaffen werden, kann Remote Scanning dazu beitragen, Versorgungsengpässe abzufedern und gleichzeitig neue Formen der Zusammenarbeit zu etablieren. Die eigentliche Stärke liegt damit nicht nur in der kurzfristigen Problemlösung, sondern in der Möglichkeit, den Praxisbetrieb langfristig robuster zu machen.


