Fachbeiratsbrief zur Energiepreiserhöhung

Die explodierenden Strompreise bereiten vielen Mitgliedspraxen Sorge. Mit einem Schreiben fasste der Radiologienetz-Fachbeirat die Besonderheiten radiologischer Praxen zusammen und schickte es an relevante Adressaten. Die ersten Antworten liegen vor.

In einem Brief, der an die KBV, die regionalen KVen, den BDR inklusive der Landesverbände, in denen unsere Netzpraxen liegen, an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), den Bundesgesundheitsminister sowie an den Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz verschickt wurde, wurde auf die besondere Situation der radiologischen Praxen mit folgender Argumentation aufmerksam gemacht:
 

  • Der Betrieb von CT und MRT ist sehr energieaufwändig und Einsparung von Energie nur bei Neuinvestitionen möglich. Stilllegung einzelner Geräte als Ultima Ratio würde die Versorgung der Patienten bei jetzt schon wochenlangen Wartezeiten weiter verschlechtern und der Praxis Honorareinbußen bescheren bei kurzfristig nicht abbaubaren Fixkosten (Miete, Personal).
  • Die durchschnittliche radiologische Praxis in unserem Verbund (100 Mitgliedspraxen) verbraucht ca. 400.000 kWh p.a. allein durch die hohen Stromkosten für den Betrieb der Geräte und ist dadurch mit keiner Hausarztpraxis zu vergleichen.
  • Die aktuellen Strompreise (45-50 Cent/kWh netto) bescheren radiologischen Praxen Kostensteigerungen von durchschnittlich über 140.000 € p.a., je nach Praxisgröße sogar bis zu 400.000 €!. Die Energiekosten haben sich bereits bei den meisten verdreifacht, bei einigen verfünffacht - ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht.
  • Am Beispiel MRT sind das ca. 7 € Mehrkosten pro Untersuchung sowie eine Strompreis bedingte Steigerung der jährlichen Gerätekosten einer Praxis um 18 Prozent.
  • Praxen können diese gestiegenen Kosten nicht einfach durch „Preiserhöhungen“ kompensieren.

Auf Basis dieser Ausführungen wurden die Adressaten gebeten, die außerordentliche Kostenbelastung der radiologischen Praxen zu berücksichtigen. Dies könnte beispielsweise über eine Teilnahme an den Energiekostendämpfungsprogrammen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) für herstellende Gewerbe erreicht werden. Generell finden Arztpraxen bisher keine Berücksichtigung, weil sie keiner antragsberechtigten Wirtschaftsbranche nach Anhang 1 der Leitlinien für staatliche Klima-, Umweltschutz- und Energiebeihilfen 2022 (KUEBLL) angehören. So teilte es uns auf Anfrage das Bafa-Referat 521 in Eschborn mit. Leider hat dies nun auch der Chef der Behörde, Torsten Safarik, in seinem Antwortschreiben bestätigt, ohne andere Optionen aufzuzeigen. Ihm seien die Hände gebunden, die Bafa sei ausführendes Organ, der Entscheider sei das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Das ist nicht einfach hinnehmbar. Spezielle Probleme erfordern spezielle Programme und Lösungen. So wären auch Fördermaßnahmen für energiesparende Neuinvestitionen denkbar – daher die Briefe auch an die Bundesministerien für Gesundheit und Wirtschaft/Klimaschutz. Weiterhin könnte man auch an Lösungen innerhalb der ärztlichen Selbstverwaltung denken, auch hier sind Fördermaßnahmen zu nennen oder ggf. Zuschläge im Rahmen der regionalen Honorarverteilungen.

Die ersten Antworten auf die Fachbeiratsschreiben sind bereits eingetroffen. So antwortete das neu gewählte Mitglied der Baden-Württembergischen Vertreterversammlung, der Radiologe Stefan Leutzbach, dass das Thema bereits auf der Agenda von Gesprächen zwischen BDR und KV-Vorstand in Baden-Württemberg stand. Das Vorstandsbüro der KV Hessen ließ verlauten, dass die Energiekostenbelastung der radiologischen Praxen seitens der KV bereits in Berlin thematisiert wurde. Auch hier wurde auf den BDR verwiesen, mit dem man im Austausch sei. So hoffen wir, dass der BDR als Interessenvertreter der Radiologen am Ball bleibt und freuen uns, wenn unsere Mitgliedsradiologen, die gleichzeitig BDR-Mitglieder sind, uns netzintern Informationen zur Verfügung stellen, die auch für Ihre Kollegen in anderen Regionen nützlich sein könnten.

Darüber hinaus erörtern wir netzintern gerade, wie wir über das Warten auf politische Unterstützung hinaus ganz praktisch dafür sorgen können, dass unsere Mitgliedspraxen Stromkosten senken können. Bisher gangbare Wege, z.B. über den unabhängigen Energiedienstleister Ampere, über den bereits 40 Praxen im Netz seit Jahren günstig ihren Strom beziehen, scheinen mit einem Mal auch nicht mehr attraktiv. Dabei ist ist für manche momentan das bescheiden formulierte Ziel, Stromverträge überhaupt abschließen zu können. Für den Radiologentag planen wir einen Ausblick auf den Energiemarkt im nächsten Jahr sowie die Diskussion möglicher Netzprojekte zur Unterstützung unserer Mitglieder. Vielleicht liegen bis dahin auch schon weitere, hoffnungsvollere Antworten der Entscheider oder des Berufsverbands vor.


Ihr Ansprechpartner

Dr. Johannes Schmidt-Tophoff
jstcuragita.com

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