Endlich! Bundesrat beschließt vereinfachte Einwanderung von Fachkräften nach Deutschland
Im Rahmen des Fachkräftemangels hat der Bundesrat beschlossen, dass die Einwanderung ausländischer Fach- und Arbeitskräfte erleichtert werden soll und hat entsprechende Gesetze dazu verabschiedet. Deren Umsetzung soll schrittweise ab Herbst 2023 erfolgen.
Im Gesundheitswesen allgemein und damit eben auch in der Radiologie besteht ein erheblicher Personalmangel mit dringendem Handlungsbedarf. Als verantwortliche Managerin für das Rekrutieren ausländischer Fachkräfte bei der Curagita ist Luisa Schmidt-Tophoff überzeugt: „Der Erfolg des Einwanderungs- und Integrationsprozesses je Kandidat ist heute vor allem durch die Bürokratie und langwierige Prozesse aufgrund unterbesetzter Behörden gefährdet. Deswegen ist es genau richtig, politisch hier anzusetzen.“
In Zukunft wird die Fachkräfteeinwanderung auf drei Säulen basieren: Fachkräfte, erfahrene Arbeitskräfte ohne anerkannten Abschluss und die sogenannte "Chancenkarte" für Arbeitsuchende. Bei den Fachkräften bedeutet dies, dass ausländische Berufsqualifikationen als gleichwertig angesehen werden, sodass Fachkräfte dann in ihrer qualifizierten Beschäftigung arbeiten dürfen.
Das Gesetz senkt außerdem die Gehaltsschwellen für die Blaue Karte EU und erleichtert es Berufseinsteigern wie auch Familienangehörigen, nach Deutschland zu kommen. Auch die Bedingungen für die Erteilung einer Niederlassungserlaubnis werden gelockert. Ausländischen Studierenden ist es erlaubt, zusätzliche Jobs anzunehmen, und es wird leichter, zwischen Bildungs- und Arbeitsaufenthalten zu wechseln.
Die „Erfahrungssäule“ ermöglicht es, ohne formell anerkannten Abschluss in Deutschland zu arbeiten, solange man über zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung und ein Mindestgehalt vorweisen kann. Luisa Schmidt-Tophoff konstatiert: „Auch wenn die Neuerungen die Bürokratie und Anforderungen entlang des Gesamtprozesses nicht reduzieren, so beschleunigen sie die Einreise von Kandidaten mit Berufserfahrung und ihre Arbeitsaufnahme in Deutschland. Das ist aufgrund des oftmals sehr akuten Personalmangels ganz im Sinne der Arbeitgebers. Wir sehen zwar keine ganzheitliche Lösung, aber einen Schritt in die richtige Richtung, welcher im Rahmen der Rekrutierung ausländischer MTRs für deutsche radiologische Praxen begrüßenswert ist.“
Die Potenzialsäule führt die "Chancenkarte" als neuen Aufenthaltstitel ein, basierend auf einem Punktesystem. Damit erhalten Arbeitsuchende Zugang zum Arbeitsmarkt, wenn sie bestimmte Anforderungen erfüllen, wie zum Beispiel eine Vorqualifikation und Sprachkenntnisse auf Niveau A2 oder B2.
Diese Reform ist besonders wichtig, um den steigenden Bedarf an Fachkräften in verschiedenen Branchen, einschließlich der Pflege, zu decken, so der Bundesverband Pflegemanagement. Aber auch in anderen medizinischen Bereichen mit Fachkräfteengpässen, z.B. bei den MTR kann die Reform unterstützen. „Es wäre wünschenswert, wenn an weiteren Gesetzesentwürfen zur vereinfachten Einwanderung gearbeitet würde. Aktuell müssen unsere MTR-Kandidatinnen und -Kandidaten noch viele Hürden für den Zugang nach Deutschland überwinden“, fasst Luisa Schmidt-Tophoff ihre Erfahrung zusammen. Für Curagita unterstützt sie radiologische Mitgliedspraxen bei der Personalbesetzung durch Fachkräfte aus dem Ausland. Im Frühjahr 2022 wurde angeregt aus den Reihen suchender Praxen das Verbundprojekt Recruiting ausländischer Fachkräfte (RaFa) aus der Taufe gehoben. Seither werden in einem integrativen Prozess MTR nach Deutschland vermittelt und betreut.


