Gutes Betriebsklima rangiert vor Top-Monatsgehalt
Woran machen Sie fest, ob Sie in der richtigen Praxis arbeiten und zufrieden im Job sind? Der Frage nach den ausschlaggebenden Gründen, weshalb Menschen im aktuellen Job bleiben, ist das Institut für Beschäftigung und Employability IBE gemeinsam mit der Hays AG nachgegangen.
Im Jahr 2023 wurde die Mitarbeiterbindung als Schwerpunkt des jährlich erscheinenden HR-Reports festgelegt. Die Wissenschaftler wählten diesen Fokus nicht ohne Grund: In der Arbeitswelt der Gegenwart und der vor uns liegenden Jahre geht es insbesondere auch darum, Bedingungen zu schaffen, in denen neue Mitarbeiter nicht nur gewonnen, sondern nach Unterzeichnung des Anstellungsvertrages langfristig gehalten werden können. Recruiting ist ein Sprint, Mitarbeiterbindung ist ein Marathon.
Welche Kriterien am meisten dafür sorgen, dass sich Mitarbeitende bei ihrem Arbeitgeber wohlfühlen und ihm die Treue halten, ergaben die Antworten der rund 1000 Personen, welche an der Studie teilgenommen hatten. „Hier kann ich mir eine berufliche Zukunft noch lange vorstellen.“ Zu dieser Aussage kommen Menschen, die sich in ihrem Arbeitsumfeld wohlfühlen. Platz eins der Bindungsfaktoren ist auch 2023 ein gutes Betriebsklima. Freilich ein schwammiger Begriff – welcher komplett auf der persönlich wahrgenommenen Gefühlswelt basiert? Nicht unbedingt: Zuallererst sorgt die Förderung einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie für ein positiv wahrgenommenes Betriebsklima. Daneben gilt auch die Beteiligung am Unternehmenserfolg als wichtiges Instrument in der Mitarbeiterbindung. Als dritter Punkt wird der offene Umgang mit kritischen Themen genannt. Dahinter verbirgt sich der Wunsch nach Sicherheit, nach Klarheit oder auch nach Ehrlichkeit. Was halten Sie von Transparenz im Gehaltsgefüge der Praxis? Das finden tatsächlich viele Menschen sinnvoll, genauso wie die eigene Beteiligung am Unternehmenserfolg. Klingt eigentlich auch logisch: Je mehr ich meine Mitarbeitenden involviere, desto schwieriger wird es ihnen fallen, sich davon wieder zu lösen. Wichtiger noch erscheint allerdings eine marktgerechte Entlohnung. Wird die Bezahlung als nicht passend empfunden, ist die Bereitschaft für einen Wechsel schnell gegeben. Die adäquate und attraktive Bezahlung rangiert hinter dem Betriebsklima auf Platz zwei der bindungsentscheidenden Faktoren.
Teilzeit, Gleitzeit, Sabbatical, Vier-Tage-Woche – von der Bandbreite an Arbeitszeitmodellen und Konzepten zur Ausübung einer Work-Life-Balance wird immer stärker Gebrauch gemacht. Weshalb? Flexible Arbeitszeiten begünstigen die Möglichkeit zur individuellen Ausgestaltung von Arbeitszeit und Freizeit. Laut HR-Report stehen flexible Arbeitszeiten auf Platz drei der Maßnahmen, um Mitarbeiter zu binden. Diese begünstigen hernach die angestrebte Work-Life-Balance auf Platz vier.
Auch wenn Mitarbeitende Abstriche beispielsweise im Gehalt machen müssen oder lieber zweimal die Woche verkürzt anstatt in vorgegebener Vollzeit arbeiten würden, bleiben sie treu, wenn die emotionale Bindung an den Arbeitgeber stark ausgeprägt ist. Für die Hälfte der Befragten entscheidet der Grad an emotionaler Verbundenheit mit der Arbeitsstelle über Bleiben oder Kündigen. Jeder Fünfte fühlt sich laut Report seinem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet; insbesondere im Alter oder in höherer Position nimmt dieses Gefühl zu.
Bleibt die Frage nach dem Umkehrschluss: Was muss alles passiert sein, wenn sich Kollegen verabschieden und außerhalb der Firma, der Praxis, der Organisation bei Null beginnen wollen? Hier spielen abermals die Emotionen eine Rolle, ja eigentlich alle vorgenannten Instrumente, wenn sie nicht gelebt, eingesetzt und verfolgt werden. Dies kann das Verhältnis zur Führungskraft deutlich verschlechtern. In diesem Falle ist der/die Mitarbeitende tagtäglich mit dem Problem konfrontiert und sucht sich bei fehlender Aussicht auf Besserung neue Perspektiven. Von der Führungskraft erwarten sich Angestellte einen fairen Umgang, Anerkennung der Leistungen und Aufmerksamkeit für die persönlichen beruflichen Belange. Gerät das Miteinander in ein empfundenes Missverhältnis, fällt es schwer, Anerkennung und Aufmerksamkeit aus der geringer angesiedelten Position heraus einzufordern. Mutige sprechen es an. Wenn sich nichts ändert, suchen sie das Weite. Nur eine ungerecht empfundene Entlohnung führt häufiger zum Bindungsverlust bei Mitarbeitenden.
Zur Studie HR-Report 2023
Am HR-Report 2023 haben insgesamt 1.001 Entscheiderinnen und Entscheider aus Deutschland (71%), Österreich und der Schweiz (je 14%) teilgenommen. Dabei kommt die Hälfte der Befragten (50%) aus dem Dienstleistungsbereich, 32% stammen aus dem Industriesektor und 18 Prozent aus dem öffentlichen Sektor.
Die bisherigen Ergebnisse sind unter hays.de/hr-report sowie unter www.ibe-ludwigshafen.de/publikationen veröffentlicht.


