Bestandsaufnahme zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Ein hohes Maß an Unterstützung in der Bevölkerung für Initiativen zur Digitalisierung im Gesundheitswesen hat der Unternehmensverband der IT-Industrie Bitkom e. V. bei zwei repräsentativen Befragungen herausgefunden. Die Ergebnisse der beiden Befragungen wurden am 28. Juli 2021 veröffentlicht und sollen eine Bestandsaufnahme zum aktuellen Stand der Digitalisierung vermitteln.

Einige wichtige Aspekte:

Digitalisierung

Fast 8 von 10 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern (78 %) ist durch die Ereignisse der vergangenen 18 Monate nach eigenem Bekunden die Bedeutung der Digitalisierung des Gesundheitswesens klargeworden. Zugleich sagen drei Viertel (75 %), mit digitalen Technologien ließen sich solche Krisen besser bewältigen – das ist eine Steigerung um mehr als 20 Prozentpunkte verglichen mit 2020, als 53 % dieser Aussage zustimmten. 

Digitaler Impfausweis

Auch die verschiedenen Initiativen zur Digitalisierung finden in der Bevölkerung eine positive Resonanz. So gibt es unter den Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern großes Interesse am digitalen Impfnachweis. 42 % der Nutzerinnen und Nutzern eines Smartphones haben ihn bereits auf dem eigenen Smartphone gespeichert – und 2 % auf dem Smartphone einer anderen Person. Weitere 41 % wollen sich den digitalen Impfnachweis künftig besorgen – 26 % „in jedem Fall“ und 15 % „wahrscheinlich“. Lediglich 12 % geben an, kein Interesse am digitalen Impfnachweis zu haben, obwohl sie ein Smartphone haben. In Deutschland besitzen 21 % kein Smartphone. Fast die Hälfte davon (42 %) sagt jedoch, sie würden den digitalen Impfpass nutzen, wenn sie denn ein Smartphone hätten. 

Elektronisches Rezept (E-Rezept)

Die Vorbereitungen zum flächendeckenden Einsatz laufen auf Hochtouren. Zum 1. Juli 2021 wurde in Berlin-Brandenburg eine Testphase zur Ausstellung von E-Rezepten gestartet – zunächst nur in ausgewählten Praxen. Ab dem 1. Oktober sollen Ärztinnen und Ärzte auch bundesweit auf freiwilliger Ebene E-Rezepte ausstellen können. Ab dem 1. Januar 2022 müssen Vertragsärztinnen und -ärzte einerseits sowie deren Patientinnen und Patienten andererseits das elektronische Rezept bei der Verordnung von apothekenpflichtigen Arzneimitteln über die gesetzliche Krankenversicherung nutzen.

Das Interesse in der Bevölkerung ist noch geteilt. Eine Mehrheit (59 %) will das E-Rezept nutzen, aber 39 % wollen dies nicht. Die Hälfte derer, die das E-Rezept nutzen wollen, erhoffen sich davon vor allem eine automatische Erkennung von Wechselwirkungen (51 %), 44 % wollen damit Zettelwirtschaft vermeiden und 3 von 10 Befragten (30 %) aus dieser Gruppe setzen auf digitale Medikationspläne. Ein Viertel (25 %) möchte sich automatisch an die Medikamenten-Einnahme erinnern lassen. 

Elektronische Patientenakte (ePA)

Seit dem 1. Januar 2021 bieten die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten die elektronische Patientenakte (ePA) an. Das Meinungsbild in der Bevölkerung ist nach den Ergebnissen der beiden Befragungen der Bitkom-Studie differenziert: Zwei Drittel (66 %) wollen die ePA künftig nutzen, aktuell haben sie allerdings erst 0,2 % der Befragten in Gebrauch (Stand: Mai 2021). Ein Fünftel (21 %) hat daran allerdings kein Interesse – und ein Zehntel (10 %) gibt an, sich bislang noch nicht mit der ePA befasst zu haben. 

Wer an der ePA interessiert ist, sieht als Vorteil vor allem, dass andere Ärzte Diagnosen, Befunde oder Arztbriefe einsehen können (74 %). 71 % wollen per ePA selbst alle Infos über die eigene Krankengeschichte im Blick haben und 64 % finden vorteilhaft, dass Doppeluntersuchungen durch die digitale Dokumentation in der ePA vermieden werden. Diejenigen, die die ePA nicht nutzen wollen, haben vor allem Bedenken, dass ihre Daten nicht sicher sind (56 %). Etwas mehr als die Hälfte (52 %) sorgt sich um Eingabefehler und einem Drittel (31 %) erscheint die Beantragung zu aufwendig. 

Videosprechstunden

Die Verbreitung der Videosprechstunde ist in den vergangenen 12 Monaten nach den Zahlen der beiden Umfragen eher langsam vorangegangen. 14 % der Menschen in Deutschland ab 16 Jahren haben ein solches digitales Angebot schon einmal genutzt – 13 % waren es im Sommer 2020, jedoch lediglich 5 % im Jahr 2019. 

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)

Seit Herbst 2020 sind sogenannte digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) verfügbar, also zertifizierte Gesundheits-Apps, die sich die Versicherten auf Rezept verschreiben lassen können. Mit Stand 11. Oktober 2021 wurden 22 DiGA in das Verzeichnis beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgenommen.

In der Bitkom-Studie geben 51 % der Befragten an, sie könnten sich künftig vorstellen, eine solche App zu nutzen, die etwa bei Tinnitus oder Schlafstörungen, Migräne oder Adipositas hilft. Für 45 % sind Gesundheits-Apps auf Rezept nach eigenem Empfinden nicht geeignet, erst eine sehr geringe Anzahl von Menschen hat eine solche App schon einmal genutzt.


Dieser Artikel stammt vom Leo Schütze Verlag, Herausgeber des "Schütze-Briefs". Curagita übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit dieser Informationen

 

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