Bericht zur Frühjahrstagung 2026 des Radiologienetz

Mit knapp 20 Teilnehmenden fand die diesjährige Frühjahrstagung des Radiologienetz in einem bewusst kompakten, arbeitsorientierten Format in Saarbrücken statt.

Ziel war es, auf Grundlage vorbereiteter Beschlussvorlagen konkrete Weichenstellungen für folgende Themenblöcke zu konsentieren:

  • Offensivere Berufspolitik angesichts des drohenden Vergütungsrückgangs
  • Verstärkung des Radiologienetz als unternehmerischer Verbund von freiberuflichen Praxen
  • KI und Radiologienetz: Was können wir nutzenstiftend und kostensparend gemeinsam tun?
  • Präventions-Venture „HealthNavigator" als neues Ertragsfeld
  • Praxismanagement der Zukunft
  • „Genossenschaftliche“ Beteiligungsmöglichkeiten an Zukunftsprojekten der Curagita

 

Im Zentrum der Vormittagssitzung stand die zunehmende Bedrohung der wirtschaftlichen Basis radiologischer Praxen durch absehbare Anpassungen in GOÄ und EBM. Die prognostizierten Absenkungen wurden einhellig als tiefgreifender Einschnitt bewertet, der eine stärkere Priorisierung der Berufspolitik erforderlich macht. Konsens bestand darin, dass das Radiologienetz als evidenzbasierter Impulsgeber auftreten muss – sowohl durch belastbare betriebswirtschaftliche Analysen als auch durch eine aktivere Rolle im gesundheitspolitischen Diskurs. Die Intensivierung der Zusammenarbeit mit bestehenden Fach- und Berufsverbänden wurde ausdrücklich befürwortet, ebenso wie die Verstärkung des DeStatis-Lobbyings zu einem betriebswirtschaftlich korrekten Reinertrag und die Vertiefung der Exploration des Projektvorschlags QUIZ bei Politik, Kassen und KV.

Ein zweiter zentraler Diskussionsstrang betraf die Weiterentwicklung des Radiologienetz als unternehmerischer Verbund. Vor dem Hintergrund veränderter Marktbedingungen – insbesondere durch Investorenstrukturen – wurde die Notwendigkeit eines stärkeren Zusammenhalts unterstrichen. Die Teilnehmer unterstützten Maßnahmen zur Schärfung der Mitgliedschaftskriterien sowie zur Förderung von Verbindlichkeit und aktiver Beteiligung. Die Positionierung des Netzwerks als berufspolitisch wie betriebswirtschaftlich erfahrene, nutzenstiftende Plattform wurde dabei als wesentliches Differenzierungsmerkmal hervorgehoben.

Inhaltlich wurden zudem mehrere strategische Arbeitsfelder definiert: Neben der systematischen Nutzung von Benchmarking- Daten zur Unterstützung einer evidenzbasierten Honorarpolitik rückten insbesondere die Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Automatisierung in den Fokus. Die Vision eines weitgehend integrierten Praxisworkflows – von der Terminierung bis zur Abrechnung – wurde als mittelfristiges Zielbild diskutiert, ebenso die Entwicklung neuer Geschäftsfelder im Bereich Prävention.

Beim Themenblock zur Künstlichen Intelligenz bestand Einigkeit darin, dass KI nicht nur als Werkzeug zur Befundungsunterstützung oder Effizienzerhöhung dient, sondern als eigenständiges strategisches Geschäftsfeld verstanden werden muss. Diskutiert wurden insbesondere Möglichkeiten eines netzwerkbasierten Datenpoolings, die Etablierung gemeinsamer Entwicklungs- und Testumgebungen sowie die Notwendigkeit klarer gesundheitspolitischer Positionierungen zur Vergütung KI-gestützter Leistungen. Die Einrichtung eines dedizierten KI-Beirats fand breite Zustimmung. Mit dem Konzept „HealthNavigator“ wurde darüber hinaus ein neues, extrabudgetäres Geschäftsfeld im Bereich der Präventionsmedizin vorgestellt. Der Ansatz geht bewusst über klassische radiologische Leistungen hinaus und integriert multidisziplinäre diagnostische Komponenten, digitale Scoring-Systeme sowie telemedizinische Strukturen.

Im abschließenden Themenkomplex zum Praxismanagement der Zukunft zeigte sich ein breites Spektrum an Fragestellungen – von Personalengpässen, Arzt-Patientengesprächen über Effizienzreserven bis hin zu strategischen Optionen wie Krankenhaus- Kooperation oder Praxis- Fusion. Die Diskussion unterstrich die Notwendigkeit, einzelne Aspekte über Praxisgrenzen hinweg zu vertiefen und sich im vertraulichen Rahmen offen auszutauschen.

Zuletzt wurde die Möglichkeit für Netzmitglieder vorgestellt, sich an einzelnen „Ventures“ finanziell zu beteiligen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die wesentlichen Beschlussvorlagen der Frühjahrstagung 2026 in ihrer Stoßrichtung bestätigt wurden und die Grundlage für die weitere Zusammenarbeit im Radiologienetz bilden. Wie bereits im letzten Jahr wurde der Austausch in überschaubarer Runde geschätzt. Die Anregung, im nächsten Jahr einen zentraleren Ort zu wählen, wird vom Netzmanagement beherzigt.

Die Beschlussvorlagen und -ergebnisse im Einzelnen können auf pro.radiologie.de nachgelesen werden.