Successful reperfusion is associated with favorable functional outcome despite vessel perforation during thrombectomy: A case series and systematic review

American Journal of Neuroradiology, Vol. 43, November 2022, S. 1633–1638

C. Ducroux et al., Montreal

In der vorliegenden Studie wurde bei 1.419 Patienten nach Schlaganfall eine endovaskuläre Thrombektomie durchgeführt. In 32 Fällen (2,3%) kam es zu einer Gefäßperforation. Patienten mit erfolgreicher Reperfusion hatten nach 90 Tagen ein besseres Ergebnis (60%) als Patienten mit nicht erfolgreicher Reperfusion (12,5%) und eine geringere Mortalität (13,3% vs. 56,3%).

Bei Schlaganfall-Patienten (aufgrund von zerebralen Großarterien-Verschlüssen) ist die endovaskuläre Therapie (EVT) eine Standard-Behandlung. Diese Prozedur ist mit Komplikationen behaftet, wie z.B. mit einer gefährlichen Perforation, erkennbar an einer Kontrast-Extravasation im CT. In großen Studien lag die Arterienperforation zwischen 0,6% und 4,9%. Wegen der nicht einheitlichen Behandlungsoptionen sollten in der vorliegenden Studie die Therapie, das Management und klinische Ergebnisse bei einer Gefäßperforation evaluiert werden. Die Patienten, die nach einer EVT eine Gefäßperforation erlitten (im Zeitraum 01.03.2015–31.12.2020), wurden inkludiert.

Es handelte sich insgesamt um 1.419 Patienten, die mittels endovaskulärer Thrombektomie behandelt wurden und bei denen in 31 Fällen eine Gefäßperforation stattfand. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 (n=16): Gefäßperforation erfolgreich reperfundiert, Gruppe 2 (n=16):Gefäßperforation nicht erfolgreich reperfundiert. In der vorliegenden Studie wurden die EVT fünfmal (15,6%) in Vollnarkose, 12-mal (37,5%) mittels Sedierung und 15-mal (46,9%) in Lokalanästhesie durchgeführt.

Die Perforation erfolgte häufiger mit einem Mikrodraht (14-mal, 43,8%) als mit einem Mikrokatheter (neunmal, 28,1%), in weiteren neun Fällen (28,1%) war die Ursache unbekannt. Die Perforationen traten in distaler Lokalisation häufiger auf: in der MCA-M2 bei 18 Patienten (56,3%) und in der ACA bei drei Patienten (9,4%). Die übrigen waren in den proximalen Bereichen lokalisiert: in der MCA-M1 bei sieben Patienten (21,9%) und in der ICA bei zwei Patienten (6,3%).

Bei den Patienten mit einer proximalen Perforation erfolgte die Therapie bei vier von neun Patienten mittels Ballondehnung, bei zwei Patienten durch Verschluss eines vorgeschalteten Gefäßes. Bei einem Patienten wurde der Mikrokatheter im Gefäß belassen, als ein Versuch, die Blutungsstelle abzudichten. Bei den fünf übrigen Patienten stoppte die Blutung spontan. Bei Patienten mit distaler Gefäß-Perforation hat bei 17 von 22 Patienten die Blutung von selbst gestoppt. In vier Fällen wurden vorgeschaltete Gefäße verschlossen und in den restlichen Fällen die Ballondehnung angewendet.

Nach 90 Tagen war das Ergebnis bei Patienten mit erfolgreicher Reperfusion besser (60,6%) als bei Patienten mit nicht erfolgreicher Reperfusion (12,5%), ebenfalls hinsichtlich der Mortalitätsrate: 13,3% vs. 56,3%.

Risikofaktoren für eine Gefäßperforation sind distale Gefäßverschlüsse, Gefäßwindungen und atherosklerotische Gefäßveränderungen. Da die technischen Gerätschaften für eine EVT im Lauf der Zeit verbessert wurden, ist in der vorliegenden Studie die Zahl der Perforationen von 3% im Jahre 2015 auf 1,6% im Jahre 2020 gesunken.