RSNA 2025: Amerikanische Global Player dominieren KI-Entwicklung in der Radiologie

Vom 30. November bis 4. Dezember 2025 versammelte der RSNA-Kongress in Chicago (USA) erneut die internationale Radiologie-Community. Unter dem offiziellen Leitmotiv „Imaging the Individual“ rückte das wissenschaftliche und edukative Programm die personalisierte Bildgebung, Präzisionsmedizin und die patientenzentrierte Rolle der Radiologie in den Fokus. In zahlreichen Vorträgen, Refresher-Kursen und wissenschaftlichen Sessions spiegelten sich aktuelle technologische Entwicklungen – von KI-Anwendungen über neue Bildgebungstechnologien bis hin zu spezialisierten klinischen Fragestellungen – ebenso wider wie die Frage, wie Innovationen nachhaltig in den radiologischen Alltag integriert werden können.

Chicago begrüßte die Teilnehmenden dabei mit winterlichen Extremen: –15 Grad, der erste Schneesturm der Saison und rund 1.400 gestrichene Flüge sorgten bereits zu Kongressbeginn für besondere Rahmenbedingungen.

Eine unbeschadete Anreise hatten Daniel Ellwanger (Curagita) und Dr. Maximilian Nunninger (Radiologie Weinheim), die sich für den RSNA-Besuch zusammengeschlossen hatten und ihre Eindrücke für diesen Newsbeitrag teilen. Besonders eindrucksvoll erschienen die Neuigkeiten der Großgeräte-Hersteller und die zunehmende Reife von KI-Lösungen in der Radiologie. Was dabei besonders auffällt: Zu den Playern im Radiologie-KI-Business zählen inzwischen auch US-amerikanische Hyperscaler wie Amazon und Microsoft mit diversen KI-Anwendungen. Die amerikanische Vormachtstellung in der Entwicklung von KI-Anwendungen ist kein Zufall, werden doch über staatliche Programme wie die FDA mit ihrem Digital Health Center of Excellence qualitativ hochwertige Digital-Health-Innovationen gefördert und planbare Zulassungen initiiert. Auch die Privatinvestitionen in KI der Wirtschaft übersteigen jene in Deutschland bzw. Europa um ein Vielfaches. Schon auf dem Radiologienetz-Tag vergangenen November schilderte Prof. Dr. Michael Knopp die transatlantische Perspektive, die Aufgeschlossenheit für Digitalisierung und KI schon seit vielen Jahren, die sich in allen Lebensbereichen und auch in der Radiologie zeige. Dem gegenüber stehen ein regulierfreudiges Deutschland und Europa. Gerätetechnisch ist auch ein Blick in den Osten der Welt interessant: China zeigt inzwischen Präsenz auf dem radiologischen Parkett.

Dr. Maximilian Nunninger: US-Giganten präsentieren KI-Applikationen

„Die alljährliche Jahrestagung der RSNA in Chicago stand erneut im Zeichen der anhaltenden technologischen Transformation der Radiologie. Meiner Meinung nach ist dies nirgends besser zu beobachten als auf der Industrieausstellung des RSNA. Neben der üblichen Materialschlacht der Legacy Vendors fiel dieses Jahr besonders die große Präsenz der US-amerikanischen Hyperscaler auf.   

Amazon mit seiner Cloud-Sparte AWS bot auf der Messe Einblicke, wie seine Cloud-Plattform Radiologie-Workflows unterstützt — u. a. mit Services wie AWS HealthImaging, Amazon Bedrock, SageMaker AI und Tools zur Bild- und Datenverwaltung. KI Anbieter wie RapidAI oder John Snow Labs zeigten direkt am AWS-Stand, wie Cloudmodelle helfen, große klinische Datenmengen effizient zu verarbeiten und KI-Funktionalität in komplexe radiologische Arbeitsprozesse einzubauen.  

Mit dragon medical one ist Microsoft schon heute nicht mehr aus vielen radiologischen Einrichtungen wegzudenken. Durch eine Integration mit PowerScribe One werden generative, multimodale und agentenfähige KI-Funktionen direkt im vertrauten Workflow möglich. Prioritäts-Report-Zusammenfassungen können Inhalte aus alten Berichten extrahieren und in eine kurze verständliche Zusammenfassung überführen.  Dragon Copilot kann durch eine multimodale Bildanalyse-Modelle Entwürfe für radiologische Befunde erstellen.   

Diese Entwicklungen spiegeln den Trend wider, KI-Funktionalitäten nicht als Insellösungen, sondern als integrierte Komponenten klinischer Workflows zu etablieren — mit dem Ziel, Radiolog:innen bei Routineaufgaben zu entlasten, die Qualität der Berichte zu verbessern und Daten sinnvoll nutzbar zu machen.“

Daniel Ellwanger: Großgeräte-Hersteller Fokus auf Alltag und Patienten

Gemäß Daniel Ellwanger zeigte die Industrieausstellung eindrucksvoll, dass sich technische Innovationen zunehmend an klinischer Praktikabilität, Workflow-Optimierung und Patientenkomfort orientieren.

Siemens Healthineers stellte einen neuen 0,55-Tesla-MRT mit 100 cm Röhrendurchmesser vor. Der Fokus liegt klar auf Zugänglichkeit, Komfort und neuen Einsatzmöglichkeiten – insbesondere für Patientengruppen, die in klassischen MRT-Systemen an Grenzen stoßen.

Philips präsentierte mit dem BlueSeal Horizon den ersten heliumfreien 3-Tesla-MRT. Die Weiterentwicklung der BlueSeal-Technologie adressiert nicht nur Nachhaltigkeitsaspekte, sondern auch Betriebssicherheit und Wartungsaufwand – Themen, die im Klinikalltag zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Canon Medical zeigte gleich zwei spannende Ansätze: Ein CT mit drehbarer Gantry, das Untersuchungen auch im Sitzen oder Stehen ermöglicht, sowie ein Photon-Counting-CT, bei dem explizit die Alltagstauglichkeit im Vordergrund steht. GE HealthCare setzte Akzente mit einem Ganzkörper-PET/CT, mit neuen flexiblen MRT-Spulen und der neuesten Generation hochpräziser CT-Systeme, die auf Effizienz und diagnostische Qualität gleichermaßen abzielen.

Für Aufmerksamkeit sorgte auch der aus Shanghai stammende Hersteller United Imaging mit einem auffallend großen Stand direkt neben Siemens. Gezeigt wurden unter anderem MRT-Systeme mit Live-Bildgebung sowie ein Dual-Source-CT mit besonders breiten Detektoren – ein selbstbewusster Auftritt, der die wachsende internationale Bedeutung des Herstellers unterstrich. Das global agierende Medizintechnikunternehmen ist auch in Deutschland mit Sitz in Frankfurt vertreten, von wo aus Vertrieb, Service sowie Import-/Export-Aktivitäten koordiniert werden.

Markt in Bewegung: Konsolidierung, Kooperationen und klare Erwartungen

Auffällig war die zunehmende Konsolidierung im KI-Markt. Neue Anbieter sind rar, stattdessen stehen Kooperationen im Vordergrund: zwischen KI-Unternehmen, Plattformanbietern sowie Software- und Hardwareherstellern.

Gleichzeitig wurde in vielen Gesprächen deutlich, dass fehlende Industriestandards diese Kooperationen nach wie vor komplex und zeitintensiv machen. Offen bleibt, über welche Wege KI sich langfristig durchsetzen wird: über Hardwareanbieter, über etablierte Softwarelösungen, herstellerneutrale Plattformen oder proprietäre Komplettlösungen einzelner Hersteller.

Von Anwenderseite ist der Wunsch klar formuliert: Radiologinnen und Radiologen haben weder die Zeit noch die Ressourcen, unzählige Einzellösungen zu evaluieren. Gefragt sind einfache Einstiegspakete, transparent in Preis und Leistung, technisch unkompliziert – und vor allem begleitet durch kompetente Partner, die bei Einführung und produktiver Nutzung unterstützen.

Ein weiteres großes Thema war der Einsatz von Large Language Models (LLMs) und strukturierter Befundung. Zahlreiche neue wie auch etablierte Unternehmen positionieren sich aktuell in diesem Feld.

Der RSNA 2025 hat einmal mehr gezeigt: Künstliche Intelligenz ist fester Bestandteil der radiologischen Realität.

Die Phase des Experimentierens geht in eine Phase der strukturierten Integration über – mit einem klaren Fokus auf Einfachheit in der Anwendung, Partnerschaften und echtem Mehrwert für Anwender und Patientinnen und Patienten. Die auf der Industriemesse RSNA präsentierten Lösungen werden zunehmend von US-amerikanischen Unternehmen dominiert.



Trotz leicht rückläufiger Besucherzahlen bleibt der RSNA damit der internationale Fixpunkt der Radiologie- und Imaging-Community – auch bei Schneesturm und eisigen Temperaturen. Wir danken Dr. Maximilian Nunninger und Daniel Ellwanger für die Berichterstattung.