Radiologienetz und Deutsche Radiologienetz AG
Gemeinsame Ziele – verschiedene Darreichungsformen?
Am 15./16. Februar kamen 15 Radiologen in Heidelberg zusammen um auszuloten, wie sie das Radiologienetz weiterentwickeln wollen, in welchen Gremien diese Weiterentwicklung wie erfolgen soll und wie sich das Verhältnis von Radiologienetz und Deutsche Radiologienetz AG (kurz DeRaG) darstellt.
Es handelte sich um den radiologischen Fachbeirat von Radiologienetz, den radiologischen Aufsichtsrat der DeRaG und Curagita und interessierte Gast-Radiologen. Klar wurde nach Austausch und Diskussion:
- Es gibt einen großen Unterschied an Wissen und Identifikation mit Netz und DeRaG zwischen den Pionieren und Mitgründern beider Gebilde und der jungen Generation von Radiologen, die erst in den letzten Jahren, z.B. über den Praxiseinstieg zum Netzmitglied wurden.
- Radiologienetz wird von allen als lebendige und aktive Community und Think Tank für freiberufliche Radiologen wertgeschätzt. Durch Information und Austausch wird gemeinsam daran gearbeitet, den zu- künftigen Herausforderungen von Praxisunternehmern erfolgreich zu begegnen, wie Artificial Intelligence, Personalknappheit (Ärzte und Nicht-Ärzte), Realisierung von Kosten-/Einnahmesynergien, Telemedizin, Änderung der Gebührenordnung/Honorare.
- Die Strategien im Radiologienetz in den letzten zwei Jahrzehnten waren durchweg berufspolitisch motiviert, was bedeutet, dass freiberufliche Radiologen ihre Branche aktiv gestalten wollten. Das haben sie getan:
- Sie haben sich dafür eingesetzt, dass technische Leistungen besser vergütet werden.
- Sie haben Gutachten beauftragt und Forderungskataloge und Argumente zusammengestellt (Parteiprogramm, Credo, CuraSequenz) und diese mit politischen Meinungsführern diskutiert.
- Sie haben versucht, mit den bestehenden Berufsverbänden konstruktiv zu kooperieren.
Die Bemühungen, die Argumente der unterrepräsentierten Fachgruppe der Radiologen bei Entscheidungs- und Mandatsträgern zu platzieren, waren groß. Dr. Peter Nunninger (Netzpionier und Fachbeirat) bringt sein ernüchterndes Fazit auf den Punkt: „Der „Mitleidsfaktor“ mit niedergelassenen Radiologen ist sowohl in der Öffentlichkeit als auch in Politik und Ärzteschaft mit „Null“ anzusetzen.
Fortan besteht Berufspolitik im Radiologienetz darin, durch Active Surveillance den Mitgliedern praxis- und insbesondere honorarrelevante Informationen frühzeitig zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich gründen 2010 die Hälfte der Radiologienetz-Mitglieder die Deutsche Radiologienetz AG, kurz DeRaG - ein Unternehmen, das eine Alternative zur niedergelassenen Freiberufler-Praxis schafft und damit z.B. Nachfolgeprobleme lösen kann. Hier bestimmen Radiologen durch Aktienmehrheit und einen mehrheitlich radiologisch besetzten Aufsichtsrat die Strategie und die Unternehmenspolitik. Sie geben sich eine Satzung mit einem nachhaltigen, versorgungsoptimalen, nicht spekulations- oder shareholder value getriebenen ModelI und stellen durch ein Vetorecht für Radiologenaktionäre sicher, dass die Aktivitäten ihrer künftigen DeRaG ihren regionalen Eigeninteressen nicht entgegenlaufen.
Damit nahm eine neue Ausrichtung des Netzes Fahrt auf, die zu einem frühen Zeitpunkt die Marktentwicklungen in der Radiologie genau analysiert und richtig erkannt hat. Die 8 DeRaG-MVZ mit 22 Standorten, die seitdem gegründet wurden, sind anders als die von Private Equity oder Einzelradiologen aufgebaute Großpraxen. Sie sind dezentraler organisiert und nachhaltiger auf Erhalt und Weiterentwicklung der bestehenden Patientenversorgung angelegt.
Fazit: die Gründerväter der DeRaG sind stolz auf das Erreichte und begleiten die Entwicklung an den MVZ-Standorten sehr intensiv und im Austausch mit den Ärzten vor Ort und dem DeRaG-Vorstand. Inzwischen wurden bereits 7 Netzpraxen von deren Gesellschaftern an die DeRaG (in friedlichem Einvernehmen mit regionalen Netzmitgliedern) verkauft.
Einigen Netzmitgliedern ist die dynamische Vorwärtsentwicklung von DeRaG/Conradia eher unheimlich. Sie empfinden die fortschreitende Konsolidierung des niedergelassenen radiologischen Marktes als potentielle Bedrohung ihrer eigenen Praxis und die DeRaG als Teil dieser Bedrohung oder sogar direkte Konkurrenz. Der genossenschaftliche „Selbsthilfe-Gedanke“ der Gründerväter kommt bei ihnen bisher nicht richtig an. Und natürlich gibt es dazu auch viel Zündstoff: die Beteiligung von Siemens Project Ventures an Curagita, die Angst vor Verwässerung des radiologischen Eigenkapitals bei der Finanzierung künftigen Wachstums usw.
Aber es gibt auch viele gute Beispiele dafür, wie DeRaG und Netz wunderbar koexistieren, allen voran das DeRaG-Netz Joint Venture in Planegg und die Tatsache, dass DeRaG-Verantwortliche jedes Mal, wenn sich potentielle Interessenskonflikte durch neue Projekte ergeben, aktiv auf Aktionärspraxen zugehen, um problematische Konstellationen frühzeitig zu adressieren und gemeinsame Lösungen zu finden. „Hier ist Vertrauen gefragt, was ich zur DeRaG habe.“ sagt Dr. Marco Anders aus Heilbronn, der erst vor einigen Jahren Praxis-Part-ner, DeRaG-Aktionär und Netz-Radiologe wurde und damit noch zur Fraktion der eher Jüngeren gehört.
Am Fachbeirats-Wochenende trafen die Fragezeichen und Vorbehalte derjenigen im Netz, die noch nicht so lange dabei sind, auf konstruktive Antworten der zurzeit aktiven Gestalter-Radiologen im Netz und in der DeRaG. „Es gibt kein „Entweder – Oder“. Wir haben durch die DeRaG das Radiologienetz-Portfolio erweitert“, so sieht es Fachbeirat Dr. Christoph Hahn aus Schorndorf.
Und DeRaG-Vorstand Dr. Johannes Schmidt-Tophoff berichtet von zunehmendem Gesprächsinteresse von Mitgliedsradiologen im Rahmen ihrer Nachfolgeplanung.
Klaren Konsens gab es dazu, dass alle Formate für Austausch und Kommunikation auf verschiedenen Ebenen im Netz und in der DeRaG zu einem besseren Verständnis beitragen müssen und der Informationsstand heute tatsächlich noch sehr unterschiedlich ist.
Dabei ist die DeRaG-Entwicklung für viele Radiologienetz-Mitglieder nur ein Thema von weiteren. Im Fokus für die Radiologen in den Mitgliedspraxen stehen natürlich ihre eigene Praxis und deren aktuelle Herausforderungen. Hier erwarten sie sich Lösungen und Anregungen aus ihrem Netz, die sie bei der Ausübung ihres Praxisunternehmertums stärken. Dabei wurde durchaus gesehen, dass es hochsynergetische Verschränkungen von Aktivitäten und Projekten von DeRaG und Netz gibt, von der Gruppenbeschaffung von Großgeräten bis zur Erarbeitung von Managementtools.
Dr. Schmidt-Tophoff betonte, dass messbare finanzielle Vorteile für das Netz durch das Verhandlungsvolumen der DeRaG verbessert werden. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass ein Netz nur so stark sein kann wie der Zusammenhalt der Mitglieder und dass gerade die Unabhängigkeit und mangelnde Verbindlichkeit der Mitgliedspraxen in bestimmten Fällen auch zu einer Netzschwächung führen.
Fachbeiratsgast Dr. Klaus Mott aus Lahr brachte es am Ende auf den Punkt. Für ihn sei das Radiologienetz eine Art „Hanse“, eine Gruppe von Starken, die durch Kooperation noch stärker werden. Die DeRaG ist dabei eine spannende Ergänzung von Perspektiven und Möglichkeiten. DeRaG und Radiologienetz sind nicht kongruent, aber in vielfacher Hinsicht komplementär. Es gilt, in Zukunft die Vorteile noch besser zusammenzubringen.
Ihre Ansprechpartner:
Johannes Schmidt-Tophoff
Dr. Michael Kreft




