In AI we trust – was wir aus dem Blick über den Atlantik lernen können

Beim Radiologienetz-Tag im November 2025 war Prof. Dr. Dr. hc. Michael V. Knopp als Gastredner zu erleben – Heidelberger, Radiologe und Nuklearmediziner und einer der profiliertesten KI-Experten mit langjähriger Tätigkeit in den USA. Sein Vortrag skizzierte eine transatlantische Perspektive auf die Zukunft der Radiologie. Ab sofort steht das Video exklusiv unseren Netzmitgliedern zur Verfügung.

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„Blick in die Zukunft aus der transatlantischen Distanz“ – so lautete der Titel des Vortrags von Professor Knopp beim Radiologienetz-Tag im vergangenen November im Schlosshotel Molkenkur. Der gebürtige Heidelberger, der seit vielen Jahre in den USA forscht und lehrt – zuletzt an der Ohio State University und aktuell an der University of Cincinnati – brachte eine amerikanische Perspektive mit, die für die deutsche Radiologielandschaft besonders interessant ist, da in der Vergangenheit Entwicklungen in den USA oft als Vorlaufindikator für Entwicklungen in Europa galten.

Seine zentrale Botschaft: Künstliche Intelligenz wird in den USA nicht zögerlich getestet, sondern strategisch, politisch gewollt und systematisch in die Versorgung integriert.

In Deutschland setzen viele Radiologinnen und Radiologen KI-Lösungen grundsätzlich in Eigenverantwortung ein – es fehlt an klaren offiziellen Leitlinien und verbindlichen Rahmenbedingungen. Die Verantwortung und Finanzierung verbleibt bei den Anwendern. Das führt zu einer nachvollziehbaren Zurückhaltung – Innovation ja, aber mit angezogener Handbremse.

Anders in den USA: KI ist strategisch und politisch gewollt und wird unter hohem Kapitaleinsatz vorangetrieben. Unabhängig von parteipolitischen Differenzen gilt technologische Innovation – insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz – als zentraler Baustein für Wettbewerbsfähigkeit, Effizienz und Zukunftssicherung des US-Gesundheitssystems. Der technologische Fortschritt wird nicht nur akzeptiert, sondern aktiv gefördert.

Professor Knopp machte deutlich: KI ist kein Selbstzweck und keine Bedrohung, sondern ein Werkzeug. „Nicht die KI ersetzt den Radiologen – sondern der Radiologe, der KI nicht nutzt, wird ersetzt.“ Dabei gehe es nicht nur um Bilder, sondern um Informationen. In der Radiologie müsse man lernen, Daten intelligenter zu organisieren, Prozesse neu zu denken und technologische Möglichkeiten konsequent in Wertschöpfung und Versorgungsqualität zu übersetzen.

Besonders eindrücklich ist sein Vergleich mit großen Technologieunternehmen wie Google oder Amazon: Der entscheidende Innovationssprung lag dort nicht in neuer Technik, sondern in der radikalen Neuorganisation von Prozessen. Genau hier sieht Professor Knopp auch für die Radiologie enormes Potenzial. Wir sollten alle „mehr googleizen“ – so sein Appell an die Kolleginnen und Kollegen.

Die Radiologie in Deutschland ist anders organisiert als in den Staaten. Trotzdem findet Professor Knopp, dass die deutsche Radiologie sich zügig den Fragen rund um den Umgang mit KI stellen muss: Wo wollen wir bewusst Tempo aufnehmen? Und welche Rahmenbedingungen brauchen wir, um Innovation nicht nur zu ermöglichen, sondern aktiv zu fördernAuf jeden Fall ein spannender Impuls! Den vollständigen Vortrag (Slides und Video) von Professor Knopp stellen wir ab sofort exklusiv unseren Netzmitgliedern zur Verfügung auf pro.radiologie.de unter vergangene Netzevents Radiologienetz-Tag.