Dosismanagement – Balanceakt zwischen gesetzlichen Anforderungen, Patientenwohl und Praxisnutzen
In aller Munde ist schon seit längerem das Thema Dosismanagement. Alle Radiologen wissen, dass künftig strengere Anforderungen an die Einhaltung und Kontrolle der Dosisgrenzwerte auf sie zukommen. Hauptaugenmerk liegt in den radiologischen Praxen zunächst auf der Computertomographie. Hier gilt weiterhin das ALARA-Prinzip des Strahlenschutzes (As Low As Reasonably Achievable).
Der Einsatz einer Software wird zwar nicht explizit vorgeschrieben, dennoch werden sich die allermeisten Praxen für ein softwarebasiertes Dosismanagement-System entscheiden, das künftig als zentraler Bestandteil des Qualitätsmanagements fungieren und dosisrelevante Hinweise zur Individualisierung der Protokolle nach Fragestellung und Patient liefern soll. Die genaue Ausgestaltung des neuen Strahlenschutzgesetzes ist jedoch immer noch (zu) unkonkret. Hier erhofft man sich durch die gemeinsame Strahlenschutzverordnung für Diagnostik, Therapie und Nuklearmedizin, die sich momentan in Abstimmung befindet und im Oktober vom Bundesrat beschlossen werden soll (Lesen Sie hier mehr.), genauere Vorgaben für die Umsetzung in den Praxisalltag. Gleichwohl ist es jetzt schon sinnvoll, sich mit Lösungen zu beschäftigten, denn die Zeit bis Jahresende vergeht schnell.
Im Sinne eines Pilotprojektes mit dem Ziel, bis zum Jahresende ein Dosismanagement in den DeRaGMVZ einzuführen und die Netzpraxen an den Erkenntnisgewinnen und Erfahrungen teilhaben zu lassen, hat sich ein Projektteam um Andrea Salwat aus der DeRaTek zu Beginn dieses Jahres auf dem Markt umgesehen und die angebotenen Systeme verglichen. Die Idee war, zwei unterschiedliche Software-Lösungen in zwei DeRaG-MVZ einzusetzen und quasi im Live-Test zu vergleichen. Folgende Kriterien wurden herangezogen, um aus der Menge der Anbieter zwei Softwarehersteller für das Pilotprojekt zu identifizieren:
- Es sollte sowohl ein Modalitätenhersteller als auch ein Modalitäten-unabhängiges Softwaresystem zum Einsatz kommen.
- Weiterhin wollte das Team einen preislich sehr attraktiven Hersteller ausprobieren.
- Darüber hinaus sollte eine Software zum Einsatz kommen, die bereits erprobt ist und Referenzen aufweist.
- Und die Systeme sollten unterschiedliche Datenspeicherungsoptionen zum Live-Test der Performance aufweisen.
- Weiterhin sollten beide Systeme folgenden Kriterien genügen: • Diverse statistische Auswertungsfähigkeiten • Gutes Kosten/Nutzen-Verhältnis der Software
Sinn einer Dosismanagementsoftware ist es, den verantwortlichen Nutzern in der Praxis als Managementwerkzeug zur Verfügung zu stehen und einen Beitrag zur Übersichtlichkeit der applizierten Dosis zu leisten.
Der Wettbewerbsvergleich führte das DeRaTek-Team zu zwei Testsystemen: DoseM des Herstellers Infinitt wurde in der Conradia in Hamburg getestet und Teamplay von Siemens in der Diagnostik München. Der Test lief über drei Monate und wurde dann vom Projektteam in enger Kooperation mit den Nutzern in den Praxen (Radiologen und leitenden MTRA) ausgewertet.
Fazit von Dr. Jens Knüppelholz aus der ärztlichen Geschäftsführung der Conradia in Hamburg: „DoseM von Infinitt ist sehr übersichtlich und intuitiv nutzbar, da gewichtsabhängige Überschreitungen im CT (>80%) bereits automatisch dokumentiert werden.“ Sein leitender MTRA Frank Rudolph ergänzt: „Die als neues Feedback nutzbare Überschreitungsalarm-Anzeige am RIS-Rechner wird die Dokumentation noch weiter vereinfachen.“ Beide sind der Meinung, dass sie das getestete Dosismanagementsystem bei der Einhaltung der zukünftig strengeren Grenzwerte für CT-Untersuchungen hilfreich unterstützen kann. Zu einer umsetzbaren Dosisreduktion trage auch die Zusammenarbeit mit den Medizinphysikexperten von Infinitt bei.
Der Erfahrungsbericht aus München fiel dabei etwas kritischer aus: „Teamplay von Siemens stellt auf den ersten Blick nicht alle notwendigen dosisrelevanten Informationen zur Optimierung übersichtlich zur Verfügung.“, urteilten Axel Wagenmann aus dem ärztlichen Leitungsteam und seine leitende MTRA Susanne Franke. So berichteten sie, dass es in der Testphase häufig zu Abbrüchen kam und die Upload-Geschwindigkeit der Internetleitung für die Funktionsfähigkeit eine große Rolle spiele. Positiv sei die Möglichkeit hervorzuheben, bei mehreren Standorten ein Benchmarking der Geräteauslastung fahren zu können.
Gesamt-Fazit für Praxen, die sich mit dem Thema derzeit beschäftigen:
- Jede Praxis sollte sich zunächst bewusst machen, welche Kriterien für sie entscheidend sind.
- Bei der Auswahl sollte eine weitestgehend flexible Software in die engere Wahl kommen, die sich noch an entsprechende Änderungen der geplanten Verordnung bzw. Ausweitung auf andere Modalitäten (Röntgen, Mammographie) anpassen kann. Dies ist bei beiden getesteten Systemen der Fall.
- Bei Cloud-Systemen müssen die neuen strengeren Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung erfüllt werden.
- Moderne Geräte und der professionelle Routineeinsatz (Topogramm, FOV, Zentrierung, KV angepasst auf BMI) sparen Dosis. Ein Dosismanagementsystem kann dabei hilfreich unterstützen, wenn es einfach eingebunden werden kann und eine übersichtliche Darstellung der Parameter ermöglicht. Diese Ergebnisse können dann auch effektiv für die Außendarstellung der Praxis gegenüber Patienten und Zuweisern genutzt werden – ein nicht zu vernachlässigender Faktor vor allem in wettbewerbsintensiven Praxisumfeldern. Im Test bot DoseM von Infinitt hierfür die aus Sicht der DeRaGMVZ praktikablere Lösung.
- Das jeweilige Servicekonzept des Dosismanagementsystem-Anbieters ist entscheidend für die flexible Anpassung sowie zur Protokolloptimierung in der laufenden Routine. Läuft das System bereits in Routine, realisiert man die Optimierung am sinnvollsten mithilfe eines Medizinphysikexperten.
- Die Zeitschiene für die Einführung eines Dosismanagementsystems ist länger als vermutet (siehe Abb. Projektplanung Dosismanagement). Praxen müssen zudem bedenken, dass sich durch ein wahrscheinlich hohes Auftragsvolumen bei den Systemanbietern im vierten Quartal lange Lieferzeiten entwickeln, und sollten dies bei ihrer Planung berücksichtigen.
Die DeRaG-MVZ planen eine finale Entscheidung und Bestellung bis Ende August. Wer sich für Details interessiert, kann sich gerne an Andrea Salwat (salcuragita.de) aus dem DeRaTek-Team wenden.
Update:
Für die Nutzer der kostenfreien Siemens Teamplay-Version: Vergleichen Sie die Leistungsmerkmale der BASIC mit der Dose CORE Version hier. Ein weiterer DeRaG-Pilot (mit Radimetrics von Bayer) wird im Sommer durchgeführt.






