Digitale Volumentomografie bei der Behandlung von Radiusfrakturen
Handchirurgie ,Mikrochirurgie, Plastische Chirurgie, Vol. 55, 2023, S. 174–185
S. Wieschollek et. al., München
Für eine Radiusfraktur ist neben der Röntgendiagnostik die MD-CT indiziert, insbesondere um eine intraartikuläre Beteiligung nachweisen oder ausschließen zu können. Neuerdings kommt die digitale Volumentomografie (DVT) wegen der besseren Diagnostik zur Anwendung. Die Strahlenbelastung ist geringer als bei der MD-CT, aber durch die längere Untersuchungsdauer sind Bewegungsartefakte nicht immer zu vermeiden. Bei 90 Patienten wurde durch Röntgen-Untersuchungen eine regelrechte Stellung und Materiallage der Fraktur festgestellt, durch MD-CT nur bei 73 Patienten. Mit der zusätzlichen DVT konnte der Prozentsatz erhöht werden.
Die digitale Volumentomografie (DVT) ist ein radiologisches Schichtverfahren, bei dem in einem Ringtunnel eine Röntgenröhre gegenüber einem Flachdetektor installiert ist. Der kegelförmige Strahlengang begründet den englischen Sprachbegriff: cone-beam-computed tomography (CB-CT). Der Detektor rotiert um das zu untersuchende Objekt, wobei zweidimensionale Profile erstellt werden. Per Computer wird daraus ein 3D-Datensatz hergestellt. Die Strahlenbelastung ist geringer als bei der MD-CT (2,4 mSv vs. 8,6 mSv). Die Untersuchungszeit bei der DVT ist deutlich länger als bei der MD-CT (20–60 sec vs. 0,5–5 sec). Dadurch sind Bewegungsartefakte häufiger, ebenso Metallartefakte. Zur Beurteilung des Ausmaßes einer Radiusfraktur ist eine zusätzliche dreidimensionale Bildgebung indiziert. Die DVT ermöglicht eine gute Bildqualität bei niedriger Strahlenbelastung und stellt eine echte Alternative zur MD-CT dar. Oft gehen die radiologischen Bilder nicht konform mit den therapeutischen Ergebnissen. Die DVT zeigt hierbei nicht selten einen anderen Fraktur-Typ und erfordert eine Änderung der Therapie, insbesondere bei der Beurteilung der Gelenkflächen.
Postoperativ ist bei intraartikulären Frakturen eine CT-Diagnostik zur Lage von intraartikulären Schrauben oder eines dorsalen Schraubenüberstands indiziert. Eine korrekte Implantat-Lage lässt sich durch die DVT besser nachweisen.
In der Literatur wurde die Wertigkeit der MD-CT bei 132 Patienten untersucht. Während bei 90 Patienten im konventionellen Röntgen eine regelrechte Stellung und Materiallage festgestellt wurde, war dies im CT nur bei 82 Patienten der Fall, bei der DVT nur bei 73 Patienten. In der Schön-Klinik, München-Harlaching, hat die DVT die MD-CT mit guten Ergebnissen weitgehend abgelöst.


