Die (schwer) verletzte schwangere Patientin aus Sicht der Radiologie

Der Unfallchirurg, Vol. 123, Dezember 2020, S. 928-935

Armbruster et al., München

Schwere Unfälle bei schwangeren Frauen gehen einher mit einer fetalen Mortalität zwischen 1% und 34%. Diagnostisch kommt zunächst der Ultraschall zur Anwendung, danach die CT und ggf. die MRT. Die fetale Energiedosis bei radiographischen Untersuchungen oberhalb des Beckens liegt unter der natürlichen Strahlenbelastung von 1 mGy. Beim Abdomen-CT werden Werte von durchschnittlich 20 mGy erreicht. Während jodhaltige Kontrastmittel (KM) keine teratogenen Wirkungen aufweisen, zeigen gadoliniumhaltige KM dagegen sowohl teratogene als auch mutagene Wirkungen.

Die Anwendung ionisierender Strahlen folgt insbesondere bei schwangeren Frauen dem ALARA-Prinzip (as low as reasonably achievable). In der vorliegenden Arbeit sollen die Risiken ionisierender Strahlen auf die schwangere Frau und das ungeborene Kind aufgezeigt werden. Die häufigsten Traumata sind Verkehrsunfälle, Stürze und häusliche Gewalt. Die fetale Gesamtmortalität nach Trauma wird zwischen 1% und 34% angegeben und ist bei penetrierenden Bauchverletzungen am höchsten.

Zunächst kommt diagnostisch US zur Anwendung, dann folgt CT und wenn nötig MRT (z.B. bei Gefäßdissektionen). Die natürliche Strahlenbelastung während der Schwangerschaft beträgt durchschnittlich 1 mGy. Die fetale Energiedosis bei radiographischen Untersuchungen außerhalb des Beckens liegt deutlich darunter. Aber auch bei einer direkten Röntgenaufnahme des Abdomens ist die absorbierte Strahlendosis des Fetus nicht höher als die natürliche Strahlung. Beim Abdomen-CT werden Werte von ca. 20 mGy (13-25 mGy) erreicht. (Die fetale Energiedosis ausgewählter radiologischer Untersuchungen ist veröffentlicht in: Röntgengesellschaft D (2019) Pränatale Strahlenexposition aus medizinischer Indikation (GMP-Bericht Nr.7)).

Schädigende Auswirkungen von Röntgenstrahlen sind auch bei der Mutter möglich. Besonders gefährdet ist das Brustdrüsengewebe. Bei einer CTA des Thorax beträgt das strahlenassoziierte Lebenszeitrisiko 429/100.000. Bei der CT lässt sich durch automatische Dosis-Kontrollen die applizierte Dosis um ca. 40% bis 50% reduzieren. Die Indikation zum Einsatz von jodhaltigem KM bleibt durch die Schwangerschaft unbeeinflusst. Jodhaltige KM bringen keine teratogenen oder mutagenen Risiken mit sich.

MRT bei Schwangeren wurde in Kanada bei 1.424.105 Patientinnen zwischen 2003 und 2015 ausgewertet. Es gab keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Patientinnen mit und ohne MRT hinsichtlich Fehlgeburten, Kindstod, kongenitalen Anomalien, Neoplasien oder Hörverlust. Allerdings haben gadoliniumhaltige KM fetale teratogene Effekte, die auch zum Fruchttod führen können und deswegen nur unter strengster Indikationsstellung Anwendung finden sollen. Insgesamt ist jodhaltiges KM im CT zugelassen, auf Gadolinium sollte möglichst verzichtet werden.


Autor: Prof. Dr. U. Klein