Das Radiologienetz „goes AI“

von Dr. Michael Kreft

Künstliche Intelligenz ist nicht nur in aller Munde – man hört, dass sie manchen bereits aus den Ohren komme. Es gehört zu den Aufgaben jedes Radiologen, selbst zu beurteilen, ob es sich um einen „Hype“ und eine Blase handelt, oder ob das Berufsbild mitten in seiner tiefgreifendsten Veränderung steckt.

Das Radiologienetz stärkt die Radiologen bei dieser Aufgabe. Dabei sind die Erwartungen differenziert. Bisher suchten die Mitglieder im Netz vor allem Rückhalt durch Information und Aufklärung. Deshalb war der letzte Radiologienetz-Tag ebenso von diesem Thema geprägt, wie das Curriculum der CurAcademy, die Vollversammlungen und die Berichterstattung im CuraCompact. Weniger sichtbar, aber ebenso intensiv waren zahlreiche Hintergrundgespräche mit Marktteilnehmern, die verschiedene Curagita-Mitarbeiter gesucht haben, um die Strategien der AI-Unternehmen im In- und Ausland für das Radiologienetz zu verstehen.

Inzwischen ist eine Einsicht völlig klar: Das Radiologienetz muss aktiv werden!

Es genügt nicht mehr, Informationen zu beschaffen und die Mitglieder zu beraten. Das Netz muss ein Akteur sein – wie immer, wenn die Radiologiepraxen vor einer Zeitenwende standen: Die Einführung des Mammographiescreenings, die Digitalisierung, die Einführung von Kontrastmittel-Generika, das Auftreten von Investoren – das Radiologienetz entschied sich stets, aktiv mitzugestalten, statt passiv zuzuwarten. Und das hat sich immer bezahlt gemacht: finanziell, berufspolitisch, und gestalterisch.

Wie wird das Radiologienetz zum AI-Akteur und was ist nun zu tun?

Ein Akteur hat Ziele, eine Strategie zur Zielerreichung und Mittel, die er dafür einsetzt. Hier ist der aktuelle Stand dazu aus dem Radiologienetz:
 

  1. Der Zeitpunkt ist Jetzt! AI wird nicht mehr verschwinden, aber das Feld ist noch gestaltbar: Die Innovationen kommen von zahlreichen Start-Up-Unternehmen, von denen nur ein sehr kleiner Anteil die nächsten Finanzierungsrunden überstehen wird. Die großen Anbieter haben sich noch nicht auf eine Partnerschaft festgelegt, Standards sind noch nicht gesetzt. Google oder Siemens? Sprachmodelle oder Bildentrauschung? Massen-Befundung oder hochspezialisierte Ergänzungsdiagnostik?
     
  2. Unsere Ziele werden klarer: Die Ziele der AI-Anbieter sind längst klar: Sie wollen die Effizienzsteigerung in den Arztpraxen in Gewinn ihrer Unternehmen verwandeln. Dafür geben sie ihren Kunden genau so viel vom Kuchen ab, wie erforderlich ist, um sie bei der Stange zu halten. Und je besser sie später gebunden sind, desto leichter wird es, den eigenen Anteil zu vergrößern. Das Radiologienetz kann diese Ziele durchschauen, aber nicht teilen. Wir wollen sowohl Effizienzgewinne als auch Zusatzeinnahmen in den Praxen behalten, weil wir sie dort benötigen, um gestiegene Praxiskosten für Personal, IT, Energie und Geräte zu decken. Zudem haben wir im Radiologienetz Interesse an einer integrierten Lösung für AI statt an einem komplexen Sammelsurium aus Einzel-Lösungen, das die Komplexität in den Abläufen eher noch erhöht, als die Effizienz zu steigern.
     
  3. Der Einstieg ist bereits geschafft: Der Fachbeirat hat die Verantwortung für die Entwicklung einer AI-Strategie inzwischen übernommen. Aufgrund der Komplexität des Themas ist die Gründung eines gesonderten AI-Beirats im Radiologienetz geplant, indem Mitglieder mit größerer Neigung zu diesem Thema stellvertretend für das Radiologienetz Entscheidungen und Lösungen vorbereiten und Curagita anleiten und kontrollieren.

    Der Fachbeirat sieht aus vielen Gründen eine Plattformstrategie als zielführend an: Wie der App-Store hält eine solche Plattform ein flexibles Angebot an Einzellösungen bereit, und vereinfacht Installation, Abrechnungen, Verwaltung, Einarbeitung und Kommunikation. Wenn eine solche Plattform erfolgreich im Radiologienetz eingerichtet ist, werden die Anbieter einzelner AI-Lösungen ein großes Interesse haben, auf dieser Plattform vertreten zu sein. Es ist dann am Radiologienetz selbst, zu entscheiden, wer unter welchen Bedingungen zum Zug kommt.

    Die technischen Voraussetzungen dafür sind inzwischen geschaffen. Durch die Übernahme des Dayiana-Teams durch Curagita im Januar 2025 stehen uns sowohl die Manpower als auch die Technologie (CuraHub) zur Verfügung.

    Aktuell ist CuraHub schon in einem Viertel aller Radiologienetzpraxen installiert. Und diese Mitglieder können auf 42 Applikationen zugreifen, die auf dieser Plattform verfügbar sind. So wurde beispielsweise im Rahmen des ersten Pilotprojekts im Netz zum Einsatz von Prostata-KI-Applikationen durch das Engagement der teilnehmenden Netzpraxen und insbesondere durch Netzmitglied Dr. Jonas Müller-Hübenthal aus Köln gezeigt, wo aktuell noch Herausforderungen bei der Prostata-KI liegen.

    Auch der Effekt des Einkaufs von KI-Applikationen als Verbund und der geschlossene Auftritt als Radiologienetz zeigen bereits Wirkung. So konnten wir, mit Unterstützung von Fachbeirat und Curagita-Aufsichtsrat Dr. Klaus Mott aus Lahr für das Radiologienetz die günstigsten Konditionen für SwiftMR (Denoising-Applikation von AIRS Medical erzielen.

    Und da eine Plattform ihre Stärke (Vereinheitlichung, Effizienz) immer nur in der Breite ausspielen kann (viele Nutzer, viele Applikationen), hat das Radiologienetz inzwischen auch begonnen, seinen Einfluss in die Tiefe zu vergrößern. Durch eine Mehrheitsbeteiligung an der Firma AIRAmed aus Tübingen haben wir den Einstieg in die Entwicklung eigener Algorithmen gefunden und sammeln so wertvolle Erfahrungen auf dieser Ebene der AI-Entwicklung, während dadurch den Mitgliedern zugleich das wissenschaftlich beste Produkt zur Alzheimer-Früherkennung zum sofortigen Einsatz zur Verfügung steht. Weitere derartige Partnerschaften sind denkbar und wünschenswert.
     
  4. Der weitere Weg ist gebahnt: In Zukunft wird das Radiologienetz über eine immer einfachere und effizientere Plattform verfügen, über die eine wachsende Anzahl qualitätsgesicherter, von Mitgliedspraxen erprobter Applikationen betrieben werden kann: Seien es Applikationen zur Bildverbesserung, Befundhilfen, oder Spezialanwendungen, seien es medizinische oder betriebswirtschaftliche Lösungen, sei es die tägliche Kommunikation im Radiologienetz. Die Plattform wird unter der Aufsicht von Radiologen stehen und der Zugang für externe Unternehmen wird nach Bedingungen erfolgen, die die Radiologen stellen. Effizienzsteigerungen und Zusatzeinnahmen werden nicht (nur) als Profit an externe Anbieter abfließen, sondern (vor allem) dort bleiben, wo sie erzeugt werden. Dies betrifft auch etwaige Zusatzeinnahmen eines noch zu konzipierenden Netzprojekts „Genossenschaftlicher Datenpool für eigene KI-Anwendungen“ und das Angebot der Beteiligung für Netzradiologen und -radiologinnen an KI-Ventures als Mitunternehmer im Rahmen von CuraValue. 


Und damit kann jetzt die nächste Stufe erreicht werden: Das Radiologienetz hat das Ziel, bis zur Jahresmitte 2026 die Hälfte aller Mitgliedspraxen an CuraHub anzudocken. Das wird dem Markt genau die Geschlossenheit des Netzes signalisieren, die eine Kooperation mit uns für alle anderen Marktteilnehmer strategisch wichtig macht. Und genau da wollen wir hin!

Nun braucht das Netz den Einsatz seiner Mitglieder: Sie haben folgende Aufgaben, wenn Sie die skizzierte Strategie unterstützen wollen:

  1. Melden Sie sich als Mitglied für den AI-Beirat, wenn Sie sich besonders für das Thema interessieren und sich gerne aktiver einbringen möchten! (Mail an die Netzmanagerin Eva Jugel: ejucuragita.com)
     
  2. Installieren Sie CuraHub in den nächsten vier Monaten in Ihrer Praxis. Wir werden in dieser Zeit aktiv auf Sie zukommen, um Details (Ablauf, Kosten, Aufwand) persönlich mit Ihnen zu besprechen.
     
  3. Sprechen Sie über das Thema: Erklären Sie unser Vorgehen Ihren Kollegen und Teams vor Ort. Weisen Sie Vertreter der AI-Firmen aktiv auf unsere Netzstrategie hin. Und richten sie alle Fragen oder Argumente an Lilian Schwarzweller aus dem CuraHub-Team (liscuragita.com).
     
  4. Und wenn Sie das alles nicht überzeugt: Sagen Sie uns, welche Probleme wir vielleicht übersehen oder wie wir sie besser lösen können.

 

Noch immer gilt die alte Regel: „Wer heute nicht handelt, wir morgen behandelt!“

Übersicht CuraHub

Diese Übersicht zeigt die derzeit wichtigsten KI-Applikationen, die auf unserer Plattform CuraHub laufen.

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