Das metastasierte Urothel-Karzinom – leitlinienorientierte Therapie und neue Optionen
Der Urologe 2022, Vol. 61, Januar 2022, S. 265–272
G. Niegisch et al., Düsseldorf
Der Behandlungsstandard beim metastasierten Urothel-Karzinom besteht in der Gabe von platinbasierten Chemotherapeutika: Cisplatin-Kombinationstherapie bzw. Carboplatin-Kombinationstherapie, wobei Letztere weniger effektiv ist. Auch eine Monotherapie kommt bei Unverträglichkeiten in Betracht (z.B. Gemcitabin). Bei stabilem Krankheitsverlauf kann eine immun-onkologische Erhaltungstherapie eingesetzt werden.
Die Prognose des metastasierten Urothel-Karzinoms (MUK) ist abhängig vom Allgemeinzustand des Patienten, vom Metastasierungsmuster und von Co-Morbiditäten. Das durchschnittliche Gesamtüberleben bei Patienten mit MUK ohne Risikofaktoren liegt bei 12–33 Monaten, mit Risikofaktoren zwischen 5,5 und 10,6 Monaten.
Der Behandlungsstandard bei Patienten mit MUK besteht in einer Cisplatin-basierten Kombinations-Chemotherapie. In erster Linie kommen Methotrexat, Vinblastin, Adriamycin und Cisplatin (MVAC) in Betracht, gefolgt von Gemcitabin und Cisplatin (GC), wobei Letztere weniger Nebenwirkungen aufweisen (z.B. neurotropenes Fieber). Sind Patienten dafür nicht geeignet (ca. 50%), kann eine Carboplatin-basierte Kombinations-Therapie verabreicht werden, in der Regel mit Gemcitabin und Carboplatin. Zeigt sich danach keine Tumorregression, kommt eine Immun-Erhaltungstherapie in Betracht mit dem Checkpoint-Inhibitor Avelumap und zwar nur bis zu einer Tumorprogression. Die Carboplatin-basierte Kombinations-Therapie ist jedoch deutlich weniger effektiv als die Cisplatin-Therapie. Bei Unverträglichkeiten oder aufgrund von Begleiterkrankungen kommt auch eine Mono-Therapie in Betracht, z.B. mit Gemcitabin. Die Ansprechrate beträgt 43%–45%, das Gesamtüberleben liegt zwischen 5,4 und 8 Monaten.
Bei der Immun-Checkpoint-Inhibitoren-Therapie (Atezolizumab oder Pembrolizumab) sind die Ergebnisse widersprüchlich und nicht zufriedenstellend, so dass ein Einsatz dieser Substanzen z.Z. nicht sinnvoll ist. Anders sieht es für den sequenziellen Einsatz von Chemotherapie und immun-onkologischer Therapie aus. So ist bei Patienten, die nach einer platinbasierten Chemotherapie keine Progression aufweisen, eine Erstlinien-Erhaltungstherapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitor Avelumab möglich.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass bei der Erst-Therapie des metastasierten Urothel-Karzinoms die platinbasierten Chemotherapie-Kombinationen Standard sind. Bei stabilem Krankheitsverlauf kann eine immun-onkologische Erhaltungstherapie eingesetzt werden. Die unterschiedlichen Therapie-Maßnahmen sind abhängig vom AZ der Patienten sowie von den vorhandenen Co-Morbiditäten. Deswegen ist eine Antikoagulation auch ohne Vorhofflimmern immer erforderlich.


