Chirurgische Therapie des intrakavalen Tumorrezidivs nach radikaler Tumornephrektomie lokal fortgeschrittener Nierenzellkarzinome

Der Urologe, Vol. 59, Juni 2020, S. 1217-1224

Heidenreich et.al., Kön

Rezidivierende intrakavale Tumore nach Nierenkarzinom-Operation sind selten. Fünf Patienten zeigten bei Routinenachuntersuchungen rezidivierende Cava-Thromben. Nach erfolgter Staging-Untersuchung mittels CT der Lunge, des gesamten Abdomens sowie mittels Knochenszintigraphie und MRT waren alle Patienten frei von Metastasen. Die Operationen verliefen komplikationslos. Bei einem Patienten musste die Cava reseziert und mittels  einer Prothese ersetzt werden.

Etwa 4%-10% der Patienten mit einem Nierenzell-Karzinom (NZK) zeigen bei Diagnosestellung intrakavale Tumorthromben. Lokalrezidive nach Nephrektomie kommen in 2%-3% der Patienten vor. Das seltene intrakavale Tumorrezidiv wurde bisher 15-mal beschrieben. Im Folgenden sollen an Hand von weiteren sechs Fällen, die in der Zeit von 2008 bis 2019 behandelt wurden, Diagnostik,  Therapie und onkologische Ergebnisse beschrieben werden.  Alle Patienten erhielten ein komplettes Staging mittels CT-Thorax, -Abdomen, -Becken, mittels Knochenszintigramm und MRT zur Frage nach Metastasen und zur Darstellung der kranialen Ausdehnung des Cava-Thrombus sowie z.A. einer möglichen Wandinfiltration. Fünf Patienten hatten ein isoliertes intrakavales Tumorrezidiv, das anlässlich einer Routineuntersuchung festgestellt wurde. Bei  einem Patienten zeigte sich eine Kombination aus Nierenlogen-Rezidiv und Cava-Thrombus.

Das mittlere Alter zum Zeitpunkt des Rezidivs betrug 75 Jahre, die mittlere Zeit zwischen Erstoperation und Rezidiv durchschnittlich 45,2 Monate. Alle Patienten hatten  keine Metastasen.

Die operative Rekonstruktion der V. cava war abhängig von einer möglichen Wandinfiltration. Bei einem Patienten musste daher die V. cava komplett reseziert und mit einer Prothese ersetzt werden. Bei einem Patienten zeigte sich eine Operations-Komplikation in Form einer „hakenbedingten“ Milzverletzung mit konsekutiver Splenektomie. Bei zwei Patienten fand sich eine Becken-Bein-Venenthrombose. Ein Patient entwickelte 29 Monate postoperativ Lungen- und Leber-Metastasen, an denen er nach acht Monaten verstarb.

Insgesamt ist das chirurgische Vorgehen nach intrakavalem Tumorrezidiv und nach vorherigem diagnostischem Staging mittels CT, MRT und Knochenszintigraphie die Therapie der Wahl, auch wegen der hohen Kurativrate.


Autor: Prof. Dr. U. Klein