Ausstellung zur Macht des Röntgenblicks

Im Rahmen der Frühjahrestagung des Radiologienetz Deutschland lud Curagita am 25.04.26 zu einem Ausflug in die Ausstellung „X‑RAY – Die Macht des Röntgenblicks“ in die Völklinger Hütte ein – und kann sie nur wärmstens empfehlen.

Die Schau, die bis 16. August 2026 in der beeindruckenden Gebläse‑ und Verdichterhalle des Weltkulturerbes zu sehen ist, widmet sich auf außergewöhnliche Weise dem Thema Röntgenstrahlen, ihren wissenschaftlichen Wurzeln, ihrem medizinischen Nutzen und ihrer Wirkung in Kultur und Gesellschaft.

„X‑RAY“ ist die erste Ausstellung überhaupt, die sich intensiv und interdisziplinär mit dem Phänomen des Röntgenblicks auseinandersetzt – von den ersten Röntgenbildern und historischen medizinischen Geräten über Einflüsse in Kunst, Architektur, Tierwelt, Naturkunde, Architektur, Politik und Mode bis hin zu Gegenwartsfragen der Wahrnehmung und der Bedeutung dieser Technologie.

Auf rund 6.000 Quadratmetern wird der Besuch zu einem faszinierenden Parcours durch Geschichte und Gegenwart: Neben historischen Exponaten sind Installationen, Filme, Fotografie, Skulpturen und sogar Röntgen‑Mode zu entdecken. In 18 Kapiteln entfaltet sich ein höchst welthaltiges Panorama der Geschichte und der Gegenwart: Röntgen, der auf ein Patent verzichtet und dann den ersten Nobelpreis erhält. Marie Curie mit ihren mobilen Röntgenbussen zur Verosrgung von Kriegsverletzten an der Front trifft hier auf Claude Cahun, Frida Kahlo, Isa Genzken und Iris van Herpen; John Heartfield auf Edvard Munch, Mies van der Rohe mit durchsichtiger Glasarchitektur, Thomas Mann (Lungensanatorium auf dem Zauberberg) und William Wegman. Und dann noch die Bone Music, das geheime Pressen von westlicher Musik auf Röntgenfilm in der ehemaligen Sowjetunion. X-RAY macht das Unsichtbare sichtbar und Kunst und Wissenschaft zum Erlebnis.

Besonders eindrucksvoll ist uns (12 Radiologen und 4 Curagitaner) die Mischung aus wissenschaftlicher Tiefe und künstlerischer Interpretation in Erinnerung. Wir erlebten, wie Röntgenstrahlen nicht nur physikalisch durch Materie dringen, sondern auch kulturelle, gesellschaftliche und politische Schichten sichtbar machen können. Wie sie das Innere nach Außen kehren, Intimes durchschaubar und sogar öffentlich machen, wie Marilyn Monroes Thoraxaufnahme oder wie der Iraner, der seine Lebensgeschichte anhand von fünf Röntgenbildern erzählt. Gut aufbereitet ist auch die Ambiguität, die mit den Röntgenstrahlen von Anfang an verbunden ist: Einerseits dienen sie der Rettung von Menschen und andererseits können sie die Gesundheit schädigen oder ein Hilfsmittel für Kontrolle (z.B. Diamantensuche bei Minenarbeitern in Südafrika) und sogar Unterdrückung (z.B. im Nazireich, in DDR-Gefängnissen) sein. Dialektisch verbunden mit dem Röntgen sind so die miteinander verwobenen Kennzeichen der Moderne, die Zerstörung und Zivilisation.

Ein Besuch lohnt sich für alle, die sich für die Geschichte der Technik, ihre ästhetischen Dimensionen und ihre Bedeutung für unser heutiges Weltbild interessieren. Er lohnt sich auch für Radiologen, die einmal entspannt über den Teller der täglichen Arbeit schauen wollen. Empfehlenswert ist nicht zuletzt der aufwendig bebilderte Ausstellungskatalog, der auch ohne Ausstellung ein lebendiges Bild vermittelt.

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