Zukunft der Krankenversicherungen – Trendstudie vorgestellt
Das traditionelle Verhältnis der Akteure in der Gesundheitswirtschaft wird durch eine immer individuellere Medizin und die Möglichkeiten der Digitalisierung auf eine neue Grundlage gestellt. Versicherte und Patienten werden zu Gesundheitskunden. Sie erwarten jederzeit eine präzise und differenzierte Bestimmung ihres aktuellen und zukünftigen Gesundheitszustandes. Die Gesundheitskunden der Zukunft messen die Leistungsfähigkeit ihrer Gesundheitsanbieter an deren Prognosekompetenz. Nicht der einzelne Mediziner, sondern intelligente Software und neuronale Netzwerke übersetzen die Körperdaten der Gesundheitskunden in konkrete Handlungsempfehlungen – für die Versicherten selbst, Mediziner, Apotheker sowie Nahrungsmittelhersteller.
Das sind die wichtigsten Kernaussagen einer neuen Trendstudie „Die Zukunft der Krankenversicherungen“, die das unabhängige Trendforschungsinstitut „2b AHEAD ThinkTank“ in Kooperation mit der AOK PLUS vorgestellt hat.
„Die Gesundheitsbranche steht kurz vor einem grundlegenden Innovationsschub“, erklärt Kai Gondlach, Autor der Studie. „Die eindeutige Botschaft laute: Rollenwandel oder Bedeutungsverlust.“ Gesundheit werde im Zuge der digitalen Transformation mehr und mehr zu einem gestaltbaren Gut. An die Stelle der Bonushefte von Krankenversicherungen und pauschalen, verdachtsunabhängigen und in der Summe ungerichteten gesundheitsfördernden Maßnahmen träten in naher Zukunft evidenzbasierte, personalisierte Empfehlungen zur gezielten Vorsorge, basierend auf zahlreichen Sensoren in der Lebenswelt, am und im Körper des Gesundheitskunden.
Die Gesundheitsbranche wird bis zum Jahr 2030 einen beispiellosen Wandel erleben. Mit der Digitalisierung wachsen die Möglichkeiten medizinischer Forschung, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation und Prävention mit exponentieller Geschwindigkeit. Das Wissen über die Funktionsweise des menschlichen Körpers, seine Stärken und Schwachstellen verdoppelt sich etwa alle vier Jahre. Dies stellt nicht nur Medizinstudenten, sondern auch erfahrene Mediziner und schließlich die gesamte Gesundheitsbranche vor ungeahnte Herausforderungen.
Durch die Digitalisierung verlagert sich die Kernkompetenz des Arztes, so heißt es. Die Rolle des Arztes verschiebe sich vom „Allwissenden“ zum vertrauenswürdigen Gesundheitsgefährten. Das Sammeln und Aufbereiten von Daten übernehmen zunehmend Technologien. Mediziner wachsen damit in die Rolle eines Gesundheitsberaters. Neue Technologien könnten Ärzte im Alltag unterstützen, aber nicht ersetzen.
„Ein neuer Erfolg versprechender Weg für Ärzte ist es, den Wandel der Medizin aktiv mitzugestalten und das Thema Gesundheit für ihre Patienten ganzheitlich zu behandeln – anstatt zum austauschbaren Dienstleister zu werden. Durch individualisierte Medizin, vor allem durch den Zugang zu den Gesundheitsdaten der Gesundheitskunden, ergeben sich völlig neue Möglichkeiten und neue Beratungsstufen. Die Daten dienen als Erweiterung der Analysekapazitäten der Mediziner und helfen, Diagnosen zu präzisieren und Prioritäten zu justieren. Gesundheitskunden erwarten Unterstützung nicht nur im Krankheitsfall, sondern in allen Phasen der Lebensführung.“
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Dieser Artikel stammt vom Leo Schütze Verlag, Herausgeber des „Schütze-Briefs“. Curagita übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit dieser Informationen.
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