Telemedizin

Die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes ist in Sicht: Ärzte dürften Patienten künftig vermutlich auch ausschließlich online über Kommunikationsmedien behandeln. Eine entsprechende Änderung der Muster-Berufsordnung ist in Vorbereitung. Zurzeit werde darüber in den Landesärztekammern beraten und demnächst werde sich der Vorstand der Bundesärztekammer damit beschäftigen. Geplant sei ein Beschlussvorschlag für den 121. Deutschen Ärztetag am 8.-11. Mai 2018 in Erfurt.

Als einen „deutlichen Fingerzeig“ für die Beratungen des Deutschen Ärztetages hat Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes, das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Hartmannbundes zum Thema Fernbehandlungsverbot gewertet: Rund 60 Prozent der über 3.800 Umfrageteilnehmer hatten sich skeptisch gegenüber Plänen der BÄK geäußert, das Fernbehandlungsverbot weiter zu lockern. „Das Ergebnis zeigt, dass es nicht nur zum Thema Digitalisierung im Allgemeinen, sondern offenbar ganz konkret auch zur Online-Behandlung noch ein hohes Maß an Diskussions- und Aufklärungsbedarf gibt“, sagte Reinhardt.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) startete mittlerweile als erste KV in Deutschland ein Telemedizinprojekt. Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aus den beiden Modellregionen Stuttgart und Tuttlingen können sich ab 16. April 2018 telemedizinisch beraten und behandeln lassen.

„Mit „docdirekt“ gehen wir neue Wege in der Patientenversorgung. Online-Sprechstunden sind seit vielen Jahren in anderen Ländern längst etabliert, nur Deutschland hinkt hier weit hinterher“, erläuterte Dr. Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der KVBW, die Initiative. Im Rahmen der Online-Sprechstunden stehen niedergelassene Ärzte von Montag bis Freitag zwischen 9 und 19 Uhr für die telemedizinische Beratung der akut erkrankten Patienten zur Verfügung, die ihren eigenen Haus- oder Facharzt nicht erreichen. Für Metke ist das docdirekt-Modell ein wegweisendes Projekt. Als KV sei man zuständig für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung von 9 Millionen GKV-Versicherten und lege deshalb Wert darauf, dass es ein telemedizinisches Angebot gibt, das die Ärzteschaft selbst unterbreitet. „Wir sind die einzige Organisation, die alle niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten unter ihrem Dach vereinigt. Vor allem aber haben wir kein Interesse an einer wirtschaftlichen Verwertung der Daten wie auch immer“, betonte Metke. Für das Projekt wird die technische Infrastruktur der digitalen Gesundheitsplattform TeleClinic genutzt.

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Dieser Artikel stammt vom Leo Schütze Verlag, Herausgeber des „Schütze-Briefs“. Curagita übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit dieser Informationen.

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