Effects of early contrast-enhanced computed tomography on clinical course and complications in patients with acute pancreatitis

Zeitschrift für Gastroenterologie, Vol.54, Juli 2016, S.642 – 646, M. Demir et al., Köln

Eine früh durchgeführte CE-CT bei Verdacht auf Vorliegen einer akuten Pankreatitis bringt gegenüber der klinischen Diagnose keine zusätzlichen diagnostischen Vorteile und zeigt als Folge einen schlechteren Verlauf der Erkrankung.

Die Inzidenz einer akuten Pankreatitis (AP) variiert weltweit zwischen 4,9 % und 73,4 %. Die AP ist eine entzündliche Erkrankung, verursacht durch die Aktivierung proteolytischer Enzyme mit Autodigestion des Pankreasgewebes, interstitiellen Fettnekrosen und nekrotisierender Vaskulitis. Die meisten Patienten zeigen ein interstitielles Ödem, das nach entsprechender konservativer Therapie rasch verschwindet. Etwa 2 0% der Patienten haben eine schwere AP, die sich nicht selten zu einem systemischen Entzündungs-Response-Syndrom (SIRS) entwickelt, bis hin zu einer Sepsis mit Todesfolge.

Durch Contrast-enhanced-Computertomography (CE-CT) lassen sich lokale und systemische Komplikationen der AP aufdecken und auch eine Voraussage für Komplikationen und Sterberate treffen. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass eine frühzeitige CE-CT einen negativen Effekt auf den Krankheitsverlauf haben kann. Es sollte daher untersucht werden, ob eine frühe CE-CT innerhalb von 48 Stunden im Vergleich zu einer späteren CE-CT einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat.

Von Mai 2006 bis Juni 2014 nahmen 58 Patienten an der Studie teil. Es handelte sich um 50 Männer (86 %) und acht Frauen (14 %) mit einem Durchschnittsalter von 54,1 +/- 17,5 Jahren. Bei 50 Patienten (86 %) lag eine Ersterkrankung vor, bei acht Patienten (14 %) ein Rezidiv. Die Hauptursache für die AP war Alkohol mit 33 %, gefolgt von biliären Erkrankungen mit 21 %. In 17 % der Fälle war die Ätiologie unbekannt. Bei sechs Patienten (10 %) war die AP die Folge einer ERCP, bei vier Patienten (7 %) die Folge von Drogen, bei sieben Patienten (12 %) waren es andere Ursachen.

Patienten mit der „frühen“ CT hatten signifikant häufiger Komplikationen als die mit der „späten“ CT (17 vs. 5 Patienten), sie mussten signifikant häufiger beatmet (11 vs. 3 Patienten) und häufiger punktiert werden (10 vs. 2 Patienten). Intensivbetreuung, akutes Nierenversagen, Operationen und Todesfälle waren in beiden Gruppen in etwa gleich.

Insgesamt ist festzustellen, dass eine „frühe“ CE-CT-Untersuchung bei akuter PA zu einem ungünstigeren Verlauf führt. Es sollte daher – auch nach den Leitlinien des American College of Gastroenterology (ACG) – eine CE-CT nur dann durchgeführt werden, wenn die klinischen Befunde unklar sind. Eine „frühe“ CE-CT bringt außerdem bei einer AP gegenüber der klinischen Diagnostik keine wesentlich neuen Erkenntnisse.

 

Bildschirmfoto 2017-06-16 um 12.37.35Wir danken unserem Ehrenmitglied Prof. Dr. U. Klein aus München, der Ihnen die Veröffentlichungen aus den Fachzeitschriften auswählt und zusammenfassend erläutert.