Interaktive Entscheidungstools im ­­Self-Service für Netzpraxen

Vor rund einem Jahr ging die Plattform radiologienetz.de online. Damals markierte die nutzerfreundliche Zusammenführung aller bisherigen Netzpräsenzen zu einer informativen und strukturierten Netz-Visitenkarte einen Meilenstein. Im zweiten Step werden smarte Tools und Services für Inhaber und Manager radiologischer Praxen integriert.

Die Plattform hat sich als Informationsquelle zu Netz-Dienstleistungen und Verbundprojekten etabliert. Darüber hinaus finden Nutzer im redaktionellen Blog-Bereich Berichte zu aktuellen Themen rund um die Radiologie und das Praxismanagement (CuraCompact). Außerdem gibt es einen ausführlichen Event-Bereich mit Anmeldeoptionen für Workshops und Seminare. Künftig soll es für die Mitgliedsradiologen im geschützten Login-Bereich weitere Angebote und Services mit Mehrwert geben. Beispielsweise werden demnächst allen Praxen die für sie relevanten Informationen und Dokumente über ein individuelles Dashboard bereitgestellt und ein Erinnerungsservice für Termine eingerichtet. Darüber hinaus entwickelt das Team der Curagita intelligente Tools, welche über die Plattform genutzt werden können und die Basis für unternehmerische Entscheidungen der Praxen verbessern sollen. Die smarten Online-Tools bieten den Nutzern zukünftig direkten Know-how-Transfer und geben empfehlungsbasierte Entscheidungshilfen an die Hand, beispielsweise für die Anschaffung von Großgeräten oder für die Grobeinschätzung des Praxiswertes. Die ersten Tools wurden von den Geräte- und Beratungsteams in einem interdisziplinär angelegten Projekt entwickelt und auf der März-Vollversammlung vorgestellt. Hier ist die Expertise verschiedener Kompetenzfelder für Anwendungsszenarien gebündelt zusammengeflossen. Die Anwendungen kamen bei den Vollversammlungsteilnehmern durchweg gut an und sollen bis Sommer in die Plattform radiologienetz.de als Self-Service für Mitglieder implementiert werden. Umgesetzt werden zunächst folgende Anwendungen:

Großgeräte-Konfigurator

Großgerätevergleiche verschiedener Hersteller sind das Tagesgeschäft des Curagita-Gerätemanagements. Für den einzelnen Radiologen, der Beschaffungen dieser Art nur alle paar Jahre tätigt, ist es aufwendig, eine Marktübersicht und Vergleichbarkeit der Geräte zu gewinnen. Das Geräteteam hat seine Expertise in einen Algorithmus gegossen und bietet auf der Plattform einen Großgeräte-Konfigurator an. Dieser kann mindestens einen ersten Überblick für die Entscheider in der Praxis liefern. „Wir haben hier wichtige technische Kriterien definiert, die entscheidungsrevelevant für die beschaffenden Radiologinnen und Radiologen sind. Dazu gehören unserer Erfahrung nach beispielsweise der Scanbereich, der Gradient, die Homogenität und die modulare Aufrüstbarkeit“, erläutert Andrea Salwat, die als Prokuristin für den Bereich verantwortlich zeichnet. „Gerne nehmen wir auf Wunsch auch noch weitere Kriterien hinzu“, fordert sie die Netzmitglieder auf, sich inhaltlich an der Entwicklung des Tools zu beteiligen. Nach der Eingabe-basierten Vorentscheidung bezüglich Hersteller, Tesla-Stärke und Gantry-Durchmesser werden auf Knopfdruck die Geräte übersichtlich anhand der festgelegten Kriterien verglichen und dem Fragesteller präsentiert. Für ein erstes Screening potenzieller Geräte und Hersteller sollte der Konfigurator nützlich sein. Das Geräteteam steht im Anschluss für weiterführende Vergleiche und Informationen auch persönlich zur Verfügung. 

Großgeräte-Investitionsrechnung

Während der Konfigurator sich für die technischen Anforderungen und Details interessiert, unterstützt das Tool Investitionsrechnung eine finanzielle Bewertung der Gesamtinvestition bei der Gerätebeschaffung. Dieser Rechner ist insbesondere interessant für Praxen mit Wachstumsplanung und entsprechenden Fragestellungen, z.B. lohnt sich ein weiterer MRT? 

Nach Eingabe der Daten wird im Hintergrund eine ausgefeilte Rentabilitätsrechnung aktiviert, welche die Laufzeit, die Finanzierung, den Energieverbrauch und viele weitere Kriterien berücksichtigt, um am Ende eine klare Empfehlung abzugeben. Die Rentabilitätsberechnung ist komplexer als der bereitgestellte Geräte-Konfigurator. Daher werden mehr Daten von der Praxis zur Eingabe abgefragt, welche das Ergebnis stark beeinflussen können. Im Ausgabefeld präsentiert das Tool neben einer klaren Empfehlung auch weitere Kennzahlen wie zum Beispiel DCF (Discounted Cash Flow). Was dahintersteckt, wird ausführlich erläutert: Die Kennzahl wird erklärt und Annahmen wie bestimmte Abzinsungsfaktoren werden offengelegt. Die Investitionsrechnung soll Praxen Planungssicherheit geben, wenn eine Anschaffung erwogen wird, und dabei alle betriebswirtschaftlich relevanten Entscheidungskriterien berücksichtigen. Vor, während und nach dem Selbstcheck stehen die Ansprechpartner des Curagita-Teams im Hintergrund bei Bedarf zur Verfügung.

Praxiswertermittlung

Der Praxiswert ist in vielen Praxen eine wichtige Größe, sei es bei der Planung des Praxisein-/ausstiegs, beim Praxisverkauf oder auch als Basis für Kooperationen mit Krankenhäusern oder anderen Praxen sowie Verhandlungen mit Kreditinstituten. Die verschiedenen Methoden der Wertermittlung wurden schon mehrfach diskutiert (siehe auch den ausführlichen Grundlagenartikel im CuraCompact 2/2022). „Einfach mal den Praxiswert ermitteln ohne Berater und ohne übermäßig großen Aufwand.“ Dies verspricht das Tool Praxiswertermittlung, das Dr. Schmidt-Tophoff konzipiert und im März auf der Vollversammlung vorgestellt hat. Im Ausgabebereich des Tools werden den Nutzern die ermittelten Praxiswerte differenziert dargestellt. Dr. Schmidt-Tophoff unterscheidet hier zwischen einer konventionellen Schätzung, einer modernen Praxisbewertung (mit Praxis-Endwert) sowie einem möglichen unverhandelten Investoren-Erstgebot. Zur besseren Nutzbarkeit hat er sich im Eingabefeld des Tools auf fünf notwendige Eingaben seitens der Tool-User beschränkt.

 

Forecast von Praxisergebnissen 

Energiekostenexplosion und steigende Personalkosten aufgrund des Fachkräftemangels sind nur zwei aktuell sehr präsente Komponenten von mehreren, die starken Einfluss auf die Praxisergebnisse haben. In der Konsequenz sind diese Komponenten Anzeiger für die Entnahme, Liquidität und die finanzielle Planung der Praxis. Hinzu kommen auf der Vergütungsseite vielleicht schon in Kürze Einbußen durch die anstehende GOÄ-Reform. Hier kann das Tool Forecast von Praxisergebnissen Ärzten, Inhabern und Praxisentscheidern auf Knopfdruck Transparenz schaffen, welche Auswirkung veränderte Parameter auf das Ergebnis haben. Das Beratungsteam hat das Simulationstool konzipiert und nutzt darüber hinaus für den individuellen Praxisvergleich den Benchmark der Daten des Deutschen Statistischen Bundesamtes. Auf der Vollversammlung wurde diskutiert, statt des Destatis-Benchmarks zeitnah ein netzeigenes Benchmark aufzubauen. Die Daten würden mehr Transparenz ermöglichen und gleichzeitig könnten sie als berufspolitische Argumentationsbasis dienlich sein. Interessenten zur Teilnahme am Benchmark melden sich bitte bei netzmanagementcuragita.com.

Fazit und Ausblick

Die Erstvorstellung der interaktiven Tools kam im Radiologenkreis auf der Vollversammlung gut an: Nutzen und Mehrwert wurden gesehen. Gleichwohl ist der Zusammenhang zwischen dem im Rahmen der Zielstellung bewusst überschaubar angesetzten Eingabeaufwand und der daraus abzuleitenden begrenzten Genauigkeit der Ausgabewerte zu beachten. Die Tools müssen hier eine Gratwanderung bestehen, damit sie einerseits genutzt werden und andererseits ausreichend zuverlässig und aussagekräftig Ergebnisse liefern. In einem nächsten Schritt werden die Tools nach den erstellten Excel-Algorithmen programmiert und bis Sommer im Login-Bereich den interessierten Nutzern aus dem Mitgliederkreis zur Verfügung stehen.

Ergänzungen und Wünsche für weitere digitale Anwendungen aus dem Kreis der künftigen Anwender sind herzlich willkommen. Klar ist, dass die Self-Service-Systeme nicht die Gespräche und Beratungen mit den Kompetenzträgern im Curagita-Team ersetzen sollen oder werden. Sie können aber eine wertvolle und schnell umsetzbare Ergänzung für das Praxismanagement beziehungsweise die geschäftsführenden Gesellschafter einer Praxis sein. Selbstverständlich ist auch, dass die einmal programmierten Tools im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) immer weiter entwickelt und verbessert werden.