Conradia Hohenschönhausen – Im Gespräch mit Dr. Sabine Dickert
Sabine Dickert hat keinen Koffer in Berlin. Sie hat ihr ganzes Leben in Berlin. Genauer gesagt Ostberlin. Wie sie selbst verschmitzt sagt: „Komplett ost-sozialisiert eben!“
Die Radiologin Dr. Sabine Dickert hat sich 1998 in Hohenschönhausen niedergelassen, um die Ecke ihrer Alma Mater in der ehemaligen DDR, wo sie studierte und ihre Facharztausbildung absolvierte. Zwanzig Jahre war sie freiberuflich tätig und hat im Untergeschoss des Ärztehauses, in dem sich ihre radiologische Praxis befindet, eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen. Baulich in die Jahre gekommen, besticht die Praxis weniger durch Chic und Glamour als vielmehr durch ein frisches knalliges Grün und ein freundliches – übrigens rein weibliches – Team, das Besucher auch am Sprechstundenende gut gelaunt begrüßt.
Die Radiologin wird unterstützt von ihren Kolleginnen Dr. Petra Jaeckel und Dr. Grit Rademacher. Letztere ist gerade erst an Bord gekommen, seit Dickert ihre Praxis Ende letzten Jahres an die DeRaG verkauft hat. In der Conradia Hohenschönhausen gibt es das gesamte Spektrum radiologischer Modalitäten außer MRT. Zwei 1,5 Tesla-Geräte stehen in der Hellersdorfer Straße, einige Minuten von der Praxis entfernt, für Untersuchungen zur Verfügung. Sie werden von der Praxis im Rahmen der MRT-Apparategemeinschaft Helle Mitte betrieben.
Bereits vor zwei Jahren hatte Sabine Dickert beschlossen, ihren Praxisausstieg zu planen. „Ich bin für den Osten nicht untypisch jung Mutter geworden und werde im Herbst zum zweiten Mal Oma“, sagt die Mittfünfzigerin gut gelaunt. „Ich liebe Sport, insbesondere Wassersport und habe noch viele Reisepläne“, fügt sie hinzu. Auch ihr Mann habe sie bestärkt, einen Praxisverkauf frühzeitig anzugehen, um den Rücken für andere Aktivitäten frei zu bekommen. Und der fühlt sich zumindest schon ein bisschen freier an. „Es tut gut, nicht mehr alleine verantwortlich zu sein“, sagt sie und ist erleichtert, dass die lange Zeit der Praxisübergabe und des Betriebsübergangs jetzt (fast) hinter ihr liegt. Es war nicht ganz einfach, da es sich um eine Einzelpraxis mit zwei angestellten Radiologinnen auf einem Kassensitz handelte. Die risikolose Variante „Zulassungsverzicht gegen Anstellung“ war aus rechtlichen Gründen nicht möglich, sodass zuletzt die Sitze noch ausgeschrieben werden mussten. Das birgt immer ein Risiko.
Bis zum guten Ende war es eine kleine Zitterpartie, ob sich nicht neben der Conradia noch weitere Radiologen bewerben würden. Aber schlussendlich ging alles gut und Dr. Dickert hat aufgrund der Ausschreibung ihres Sitzes das Privileg, nicht die drei Mindestjahre als Angestellte im neuen MVZ Conradia Hohenschönhausen bleiben zu müssen. Wobei sie momentan schon noch mit gewohntem Schwung und Verantwortungsgefühl die Praxis führt. Die Freiheit bzw. Freiwilligkeit ihres Engagements schätzt sie dabei sehr.
Ausschlaggebend für ihre Wahl eines geeigneten Praxiskäufers war das Fortführungskonzept der DeRaG/Conradia. „Ich wollte den Mädels eine Perspektive geben.“ Damit meint sie keineswegs despektierlich, sondern eher liebevoll ihr langjähriges treues Team. „Und ich freue mich über die Kontinuität der Praxis, die ich in den Jahrzehnten aufgebaut habe mit erstaunlich vielen Stamm-Patienten, wie ich es für eine Radiologie nicht für möglich gehalten habe.“
Conradia drinnen, draußen ist es bisher kaum erkennbar. „Die Hausverwaltung ist etwas schwerfällig“, erklärt Dickert auf Nachfrage. Zum Jahresende ist direkt neben dem Ärztehaus ein Neubau geplant. Dort wird dann alles in den neuen Farben und mit der richtigen Beschilderung versehen. Eine Anregung hat sie zum Abschluss: „Vielleicht könnte man ja in der neuen Conradia auf den Mitarbeiter-Polos weiterhin auf der Rückseite meinen geröntgten Schädel zeigen. Der ist mit den Jahren zur echten Corporate Identity geworden.“ Eine gute Idee, die auf jeden Fall geprüft wird.
Ihr Ansprechpartner:
Dr. Michael Kreft
