Online-Petition im August mit 194 Unterschriften beendet

Die Radiologen im Radiologienetz starteten im Frühjahr eine Online-Petition, die zum Ziel hatte, den Einsatz diagnostisch qualifizierter MFAs in Bereitschaftsdiensten zur Aufrechterhaltung der Notfallversorgung zu erlauben, auch wenn kein Radiologe die MFA dabei vor Ort beaufsichtigt. Dazu müssten verschiedene Änderungen vom Gesetzgeber bzw. den regelnden Behörden in Angriff genommen werden.

„Wir wollen die diagnostische Versorgung sichern“, führt Jürgen Witt, Radiologe aus Neckarsulm und Fachbeirat im Radiologienetz aus, der die Petition mitformuliert hat. „MFA mit jahrelanger Erfahrung im Röntgen, CT und MRT liefern Arbeitsergebnisse, die qualitativ mit denen von MTRAs vergleichbar sind. Eine Argumentation, dass der Einsatz von MTRA hierfür zwingend erforderlich sei, entspricht nicht der Realität in Praxen und Krankenhausabteilungen.“ Hier sieht man sich mit einem immer weiter verschärfenden MTRA-Fachkräftemangel konfrontiert, der zum Beispiel dazu führt, dass in Krankenhäusern Bereitschaftsdienste nicht mehr garantiert werden können.

Vielerorts werden heute schon qualifizierte und erfahrene MFA mit Röntgenschein beschäftigt. Diese dürfen unter ärztlicher Aufsicht Röntgen- und CT-Untersuchungen durchführen. Sie dürfen heute jedoch keine Bereitschaftsdienste übernehmen, weil ihnen die notwendige Voraussetzung „Fachkunde im Strahlenschutz“ fehlt. Diese können sie momentan nur über eine dreijährige Ausbildung zur MTRA oder ein kostenpflichtiges Radiologie-Technologie-Studium erwerben. Fragt man den Interessensverband der MTRA (DVTA), soll das auch so bleiben. Viele Kommentare im Rahmen der Online-Petition zeigten jedoch, dass nicht alle die Verbandssicht teilen, sondern froh wären um die zusätzlichen (und erprobten) Ressourcen zur Dienstebesetzung. Wie ein Arzt in seinem Kommentar anmerkt: Der Fachkräftemangel MTRA ist gravierend und wird sich aufgrund der Demographie verschärfen. Die Ausbildungsplätze und damit nachrückenden Fachkräfte reichen bei weitem nicht aus, die vorhandenen und weiter entstehenden Lücken zu füllen.“Ohne den Beruf MTRA abwerten zu wollen, ist ein Weiter-So ohne Alternativen der schnurgerade Weg in eine lückenhafte Notfallversorgung. Oder, wie ein anderer Arzt im Netz kommentierte: „Der Bedarf an MTRA ist größer als deren Verfügbarkeit. Wenn diese MTRA dann auch noch häufig nachts und am Wochenende eingesetzt werden müssen, sinkt die Attraktivität des Berufs und eventuell steigt der Krankenstand. Ich persönlich möchte im Notfall lieber von einer nicht überlasteten Mitarbeiterin/ einem Mitarbeiter im nächsten adäquaten Krankenhaus untersucht werden als im übernächsten Krankenhaus von einer MTRA, weil im nächsten Krankenhaus der Dienst wegen fehlender MTRA nicht besetzt werden konnte.“

Die Debatte dreht sich somit auch um künftige Arbeitsbedingungen für MTRA und wie ein Dauereinsatz am Wochenende und für Nachtschichten vermieden werden kann.

Die offene Petition lief von Mitte Februar bis Mitte August. 194 Unterstützer haben für den Vorschlag abgestimmt. Viel oder (zu) wenig? Klar ist, dass die Situation nicht alle Radiologiepraxen im Netz gleichermaßen betrifft. So haben etwa ein Drittel der Mitgliedspraxen keine Krankenhauskooperationen und das konkret benannte Problem stellt sich so nicht. Klar ist auch, dass selbst ein Vielfaches der Unterschriften in der Politik nur wenig Beachtung finden würde. „Die Themen Strahlenschutz und Dosismanagement sind sehr sensibel und derzeit allseits präsent. Fraglich ist, ob man in einer solchen Zeit politische Unterstützung erfahren kann in einem Thema, das zwar pragmatische Lösungen dringend erforderlich macht, aber gleichzeitig hochexplosiv ist.“sagt Jürgen Witt und regt an, die Aktion auf breitere Füße zu stellen, z.B. durch Kontaktaufnahme mit Verbänden kommunaler Krankenhäuser und dem Berufsverband. Mit dem Petitionsergebnis und weiteren Aktionen in diesem Thema wird sich im November der Fachbeirat im Radiologienetz beschäftigen. Dann wird entschieden, wie man gestärkt durch die 194 Unterschriften und die 50 Kommentare von betroffenen Radiologen, Praxismanagern, MTRA und MFA weiter vorgehen wird. Adressaten der Petition waren das Gesundheitsministerium und das Ministerium für Umwelt und Strahlenschutz mit dem Ziel, einen ergebnisorientierten Dialog zu beginnen. „Am Ende wird man sich mit unseren Problemen beschäftigen müssen. Nämlich dann, wenn die Versorgung erheblich einbricht. Doch soweit wollen wir es eigentlich nicht kommen lassen“, begründet Jürgen Witt sein Engagement. Der Dank gilt allen Befürwortern im Radiologienetz. Der Blick in die Zukunft kommender Jahre gebietet es, auf diesem Teilerfolg aufzubauen und nächste Schritte einzuleiten. Die Zeit ist mehr als reif, gemeinsam an Lösungsansätzen zu arbeiten. Hier geht es zu den Kommentaren der Petitionsunterschreiber. 

Hier geht es zu den Kommentaren der Petitionsunterschreiber.

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