Verbundprojekt Lungenkrebsscreening: Sind Sie dabei?

Mit dem Start des Lungenkrebsscreening in Deutschland öffnet sich für radiologische Praxen ein extrabudgetäres Versorgungsfeld – medizinisch sinnvoll, gesundheitspolitisch beschlossen, in der praktischen Umsetzung jedoch mit einigen Fragezeichen versehen.

Genau darin liegt die Herausforderung: Wer sich früh positioniert, kann profitieren. Wer abwartet, überlässt anderen das Feld. Gerade deshalb hat das Projektteam unter der Leitung von Curagita-Prokurist Artem Krot schon vor zwei Jahren begonnen, die Weichen zu stellen, Kompetenzen aufzubauen, eine Kooperation mit dem Universitätsklinikum Heidelberg und der Thoraxklinik als Zweitbefunder zu vereinbaren und Konditionen mit Technik-/IT-Anbietern zu verhandeln.

Die Ausgangslage ist dabei ambivalent. Die Vergütung fällt niedriger aus als ursprünglich kalkuliert – der Erstbefund liegt bei 95,04 Euro, mit moderaten Steigerungen bei kontroll- oder abklärungsbedürftigen Befunden. Gleichzeitig handelt es sich um eine extrabudgetäre Leistung. In einem Umfeld drohender Honorarabsenkungen ist das kein zu unterschätzender Aspekt.

Wirklich entscheidend ist jedoch ein anderer Punkt: Das Screening organisiert sich nicht von selbst. Es gibt kein zentrales Einladewesen, kein übergeordnetes Marketing und keinen Gebietsschutz. „First come, first serve“ war unsere Annahme und wird nun Realität. Die Hauptrolle liegt damit bei den radiologischen Erstbefundern. Wer Patientenströme aufbauen will, muss aktiv werden – im Zuweisermanagement ebenso wie in der direkten Patientenansprache.

Hier setzt das vorgestellte Konzept an. Es kombiniert technische, organisatorische und kommunikative Bausteine zu einer umsetzbaren Lösung: Die Implementierung strukturierter Befundung mit KI-Unterstützung (z.B. zur automatisierten Detektion und Lung-RADS-Klassifikation), eine zentrale Plattform zur Patientengewinnung inklusive Eignungstest und Praxissuche sowie gezielte Marketingmaßnahmen – von Social Media bis zu Zuweiserkampagnen. Ergänzt wird dies durch ein Toolkit für die Praxis sowie durch Projektmanagement und IT-Betreuung.

Die Chancen sind real, aber sie entstehen nicht von allein. Neben extrabudgetären Einnahmen kann das Screening zur Profilbildung beitragen – etwa durch den Aufbau eines thoraxradiologischen Schwerpunkts. Dadurch finden nicht nur neue Patientengruppen den Weg in die Praxis, es entstehen außerdem neue Kooperationen mit Zuweisern.

Auch Nebeneffekte sind relevant: Zusätzliche diagnostische Leistungen, etwa im kardiovaskulären Bereich oder in der COPD-Diagnostik, lassen sich durch den Einsatz von KI als Selbstzahler-Leistung sinnvoll integrieren. Modellrechnungen zeigen zudem, dass sich Investitionen bereits bei moderaten Teilnahmequoten (ab 5%) amortisieren können, auch nach Berücksichtigung des Wegfalls bisheriger „grauer“ Leistungen.

Gleichzeitig darf der Aufwand nicht unterschätzt werden. Genehmigungsverfahren bei KV und Strahlenschutzbehörden, (geräte-)technische Voraussetzungen, Fortbildungen der Erstbefunder sowie der Aufbau neuer Prozesse erfordern Zeit und Ressourcen. Hinzu kommt: Die Aktivierung der vermutlich eher wenig gesundheitsaffinen Zielgruppe – rund 5,5 Millionen potenzielle Teilnehmende in Deutschland – ist ohne gezielte Ansprache kaum zu erreichen.

Das Lungenkrebsscreening ist damit kein Selbstläufer. Aber es ist eine strategische Option. Wer bereit ist, den initialen Aufwand zu investieren und das Thema aktiv zu gestalten, kann sich frühzeitig positionieren – medizinisch wie wirtschaftlich. Die Frage ist weniger, ob das Screening kommt. Sondern wer es gestaltet. Das Angebot im Radiologienetz leistet für diejenigen, die früh und effizient dabei sein wollen, einen wertvollen Beitrag.